Zucker oder Süßstoff?

Zucker oder Süßstoff? Diabetes TYP I & TYP II

Süßstoffe stehen immer häufiger in der Kritik. Aber was bedeutet das für uns? Sollte ich mir Süßes jetzt komplett verkneifen?

Süßes gehört zu den wichtigsten Dingen im Leben: Es ist die Krönung nach jeder Mahlzeit, spendet Trost in traurigen Momenten oder ruft Erinnerungen an besondere Erlebnisse wach, in denen uns vielleicht die Großeltern verwöhnt haben. Außerdem sind Zuckerverbindungen die wichtigsten Energielieferanten für unser Gehirn und jede einzelne Zelle des Körpers.

Darum empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Erwachsenen, täglich etwa 25 Gramm Zucker zu sich zu nehmen, was rund acht Stück Würfelzucker entspricht.
Tatsächlich jedoch verzehren wir durchschnittlich rund 30 Stück täglich und damit ganze 37 Kilogramm pro Jahr. Das Problem: Es ist sehr schwierig herauszufinden, wie viel Zucker eigentlich in unseren Nahrungsmitteln steckt. Der Grund: Meist verbirgt sich Zuckerzusatz hinter verwirrenden Bezeichnungen wie Maltrose, Monosaccharid, Isoglucose oder wird, wie etwa bei Brot, gar nicht genannt – obwohl pro Scheibe rund fünf Gramm enthalten sind.

Was passiert eigentlich mit dem Zucker in unserem Körper?

Und was, wenn wir zu viel aufnehmen? Für die Verwertung ist vor allem ein Organ verantwortlich: die Bauchspeicheldrüse. Sie sorgt durch die Produktion des Hormons Insulin dafür, dass der Zucker aus dem Blut zur Energiegewinnung in die Körperzellen abgegeben wird. Das Fatale: Nehmen wir etwa Haushaltszucker zu uns (einen Zweifachzucker), gelangt er besonders schnell ins Blut. Es kommt zu Blutzuckerspitzen. Der Körper reagiert innerhalb von Minuten, so sinkt der Blutzucker schnell wieder ab. Als Folge verspüren wir Hunger und essen mehr – langfristig nehmen wir zu, zeigen Studien. Und Übergewicht, vor allem angesammeltes Fettgewebe im Bauchbereich, regt die Ausschüttung von Hormonen an, die die Insulinempfindlichkeit der Zellen herabsetzen. Durch diese sogenannte Insulinresistenz wird die Bauchspeicheldrüse dazu gezwungen, permanent zu viel Insulin freizusetzen. Sie gerät in eine Art Erschöpfungszustand. Ihre Zellen altern zu schnell und sterben ab. Zucker kann nicht mehr verarbeitet werden. Folge: Diabetes Typ 2.

Durch den ständig erhöhten Blutzucker können Nervenzellen geschädigt werden. Besonders anfällig sind die winzigen Blutgefäße der Augen und der Nieren. Auch aus diesem Grund setzen Lebensmittelhersteller seit etwa 70 Jahren immer mehr Zucker-Ersatzstoffe, sogenannte Süßstoffe, ein. Ein Vorteil für die Hersteller: Lebensmittel können damit auch kalorienfrei gesüßt werden. Das wird dann gerne als Werbebotschaft („weniger Kalorien“) genutzt. Neben den kalorienfreien chemisch-synthetischen Süßstoffen, werden auch „natürliche“ Ersatzstoffe eingesetzt. Darunter hochkonzentrierter Dicksaft aus Äpfeln, Birnen oder Agaven, Xylit (auch als Birkenzucker bekannt) und Stevia (aus den Blättern der gleichnamigen südamerikanischen Pflanze; etwa 300-mal süßer als Zucker).

Aber wie gesund sind diese Süßstoffe wirklich? Was machen sie mit meinem Blutzuckerspiegel? Und wie reagiert mein Gehirn darauf?

Zucker oder Süßstoff?

Wenn wir „süß“ schmecken…

Erhält das Gehirn die Information „süß“, gibt es den Befehl zur Ausschüttung von Insulin, um den erwarteten Zucker wieder abzubauen. Schließlich wurde es seit mehr als 100 000 Jahren genau darauf programmiert. Die Wissenschaftler sprechen hierbei vom „cephalischen Insulinreflex“. Der Hirnforscher und Diabetologe Dr. Achim Peters rät auch deshalb davon ab, Zucker einfach durch Süßstoffe zu ersetzen. Sie machen uns seiner Meinung nach dick und krank.

Also was tun? Am sinnvollsten ist aus Sicht von Medizinern, den Zuckerkonsum auf ein gesundes Maß zu reduzieren – ohne übermäßig Süßstoffe zu verwenden.

Ebenfalls wichtig: Auch einfache Kohlenhydrate wie in Chips, Pasta oder Weißbrot belasten dauerhaft die Bauchspeicheldrüse. Ideal ist es daher, in den Tag mit einem nährstoffreichen Frühstück zu starten, also mit Kohlenhydraten aus Vollkornprodukten, da die enthaltenen Ballaststoffe lange sättigen. Zudem sollten bis zum Mittag- sowie zum Abendessen jeweils fünf Stunden vergehen, ohne dass größere Mengen Zucker oder Kohlenhydrate zugeführt werden. Dadurch kann die Bauchspeicheldrüse zur Ruhe kommen. Und welche Lebensmittel sollten es mittags und abends sein? Forscher der Harvard University empfehlen eine Ernährung, die neben Obst und Gemüse auf Nüsse, Milchprodukte, mageres Fleisch und Fisch setzt.