Weniger Stress – So entschleunigen Sie Ihr Leben

Weniger Stress – So entschleunigen Sie Ihr Leben

Sie wünschen sich Freiräume, mehr Zeit für sich selbst? Mit unseren Tipps entschleunigen Sie Ihr Leben und gewinnen mehr Ich-Momente.

Es scheint paradox: Nichts ist so gerecht verteilt wie die Zeit – jeder Mensch hat täglich exakt 24 Stunden zur Verfügung. Und doch haben Umfragen zufolge 85 Prozent aller Deutschen das Gefühl, sie hätten immer weniger Zeit und die Tage rauschten immer rascher vorbei, jedes Jahr vergehe schneller. Für die meisten fließt die Zeit irgendwo außerhalb von ihnen dahin. Sie ist einfach da – und sie müssen sich ihr anpassen. So ist es aber gar nicht, sagen Psychologen. Stattdessen haben wir es selbst in der Hand, die Raserei zu beenden.

Weniger Stress im Alltag durch Selbstbestimmung unserer Zeit

Das funktioniert zum Beispiel durch bewusste Wahrnehmung und indem wir unsere Aufmerksamkeit trainieren, etwa mithilfe von Meditation. Denn diese Entspannungstechnik entschleunigt unser Zeitempfinden, und wir kommen wieder im Hier und Jetzt an. Die gefühlte Zeit hängt immer mit der Menge an Informationen zusammen, die das Gehirn in einer bestimmten Dauer verarbeiten muss, erklären Neurologen. Zeiträume, in denen wir hochaktiv sind, empfinden wir deshalb als kürzer. Phasen, in denen wenig passiert oder die mit langweiliger Routine gefüllt sind und uns somit geistig kaum fordern, empfinden wir als länger. Das kennt jeder: Beim ersten aufregenden Date mit der neuen Liebe werden Stunden zu Minuten, in der Warteschlange an der Supermarktkasse hingegen scheint die Zeit fast stillzustehen. Doch physikalisch betrachtet bleibt eine Stunde immer eine Stunde. Wir empfinden sie nur anders, je nachdem, was wir gerade tun. Wie schade nur, dass wir den Großteil des Tages damit verbringen, uns abzuhetzen – und folglich immer das Gefühl haben, die Zeit rase uns davon. Mit dem Ergebnis, dass wir versuchen, noch einen Zahn zuzulegen: Untersuchungen zeigen, dass sich unsere Gehgeschwindigkeit innerhalb von zehn Jahren um etwa zehn Prozent beschleunigt hat. „Wir leben in einer Tempogesellschaft, in der alles sofort geschehen muss“, sagt auch Zeitexperte Lothar Seiwert, Autor von „Lass los und du bist Meister deiner Zeit“ (GU, 12,99 €). Immer eiliger bewegen wir uns durch den Alltag: weniger schlafen, zügiger arbeiten, rasch etwas Freizeit, ein paar Momente mit der Familie erleben, kaum Zeit für uns selbst haben.

Sind wir zu gestresst, um genug Zeit zu haben?

Doch Druck und Hektik wiederum stören jene Hirnzentren, die dafür sorgen, dass wir uns zeitlich organisieren können. Plötzlich dauert alles zwei- oder dreimal so lang. Bald schafft sich das Gefühl, keine Zeit zu haben, eine eigene Wirklichkeit. Und dann, das ergaben Studien, sind wir nicht deswegen gestresst, weil wir keine Zeit haben, sondern umgekehrt: Wir haben keine Zeit, weil wir zu gestresst sind. Mehr als 41 Millionen Menschen in Deutschland geht das bereits so: Sie fühlen sich einer Umfrage zufolge dauerhaft gehetzt. Doch wir selbst können entscheiden, wie wir Zeit wahrnehmen, ob wir sie genussvoll erleben oder sie einfach nur totschlagen, sagen Psychologen. Schalten wir doch also alle ruhig mal ein paar Gänge runter. Wie Sie es ganz leicht schaffen, Ihr Lebenstempo zu drosseln und mehr Freiräume für sich zu gewinnen, verraten wir Ihnen hier.

Erleben Sie Zeit intensiver

Wir können Minuten zu Stunden dehnen und so Lebenszeit gewinnen. Wie das geht? Wir müssen Neues wagen, Routinen hinter uns lassen. Kinder leben es uns vor: Jeder Tag ist für sie mit Abenteuern gefüllt. Effekt: Sie entwickeln sich, werden klüger, nehmen mehr wahr, sodass sich jeder Sommer wie der erste anfühlt. Was wir von ihnen lernen können, ist ein Bruch der Routine, zum Beispiel mit einem Urlaub in einer Umgebung, in der wir uns neu orientieren müssen. Alles, was schöpferische Spuren hinterlässt – einen Garten zu pflegen, zu malen oder ein (Kunst-)Handwerk auszuüben – hilft uns ebenfalls, die Welt neu zu sehen, und holt so etwas von dieser kindlichen Dehnung des Augenblicks zurück.

Wie tickt Ihre innere Uhr?

Unser Zeitempfinden können wir leichter verändern als alle anderen Vorgänge im Gehirn, sagen Forscher. Hier eine Übung, um die eigene Wahrnehmung zu testen: Setzen Sie sich an einen ruhigen Ort und schauen Sie auf die Uhr. Schließen Sie die Augen und öffnen Sie die Lider erst wieder, wenn Sie meinen, dass eine Minute vergangen ist. Sind mehr oder weniger als 60 Sekunden verstrichen, ist Ihr Zeitgefühl aus dem Gleichgewicht geraten. Tipp: Nehmen Sie sich ab heute täglich eine Minute für diese Übung, um damit im wirklichen Tempo anzukommen.

Zeitmanagement: Die 1-2-3-Methode

Dieser Trick aus dem Zeitmanagement hilft, Tages-Aufgaben leichter zu erledigen – und sorgt dafür, dass Pausen nicht zu kurz kommen: Notieren Sie morgens drei Dinge, die erledigt werden müssen – arbeiten Sie eins nach dem anderen ab. Wenn alles abgehakt ist, gönnen Sie sich mit gutem Gewissen eine Belohnungspause. Eine halbe Stunde in der Sonne dösen oder einen Tee trinken …

Die Reizüberflutung nachhaltig stoppen

Laut einer Forsa-Umfrage fühlen sich 67 Prozent aller Deutschen gehetzt. Wir sind überall erreichbar, wollen möglichst viel erleben – je größer die Auswahl, umso höher die Zahl der Möglichkeiten, auf die wir verzichten müssen. Die Folge ist: Wir fühlen, wie die Zeit immer schneller dahinrast. Besser: sich Momenten hingeben, ohne an die Uhr zu denken. Zeit gewinnen heißt deshalb auch, sie einfach mal getrost zu vergessen!

Multitasking ist ein Zeiträuber

Sich gleichzeitig mit mehreren Dingen zu beschäftigen ist Zeitverschwendung, mahnen Experten. Denn was Zeit sparen soll, überfordert eigentlich das Gehirn und stört die Konzentration. Durch die geteilte Wahrnehmung gehen dem Gedächtnis wichtige Informationen verloren. Wir fühlen uns gestresst, haben nicht alles geschafft. Versuchen Sie es lieber mit der guten alten Eins-nach-dem-anderen-Methode.