Was ist Diabetes Typ 3?

Was ist Diabetes Typ 3?

Diabetes mellitus Typ 3 ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene seltene Formen der Zuckerkrankheit. Sie äußern sich ähnlich wie die klassischen Diabetes-Erkrankungen Typ 1, Typ 2 und Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes/Diabetes Typ 4), haben aber andere Ursachen, auch wenn diese sich nicht immer klar von denen der anderen Diabetes-Typen abgrenzen lassen.

Wie unterscheidet sich Diabetes Typ 3 von den anderen Diabetes-Formen?

In ihren Symptomen sind sich die Diabetes-Typen 1, 2 und 3 sowie Schwangerschaftsdiabetes ähnlich, das heißt, der Blutzuckerspiegel ist dauerhaft erhöht, was auf lange Sicht unbehandelt zu Organschäden führen und das Risiko für Begleit- und Folgeerkrankungen (u. a. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nervenerkrankungen, Nieren- und Augenschäden, diabetischer Fuß etc.) steigen lassen kann. Grund dafür, dass der Blutzuckerspiegel aus dem Ruder läuft, ist ein Insulinmangel. Und hier unterscheiden sich die drei Diabetes-mellitus-Typen dann doch:

Beim Typ-1-Diabetes greift das körpereigene Immunsystem die für die Insulinproduktion zuständigen Zellen der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie. Mediziner sprechen von einer „absoluten Insulinresistenz“. Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung.

Diabetes Typ 2 ist eine Stoffwechselerkrankung. Hier bleiben die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse erhalten, sie werden aber immer unempfindlicher gegenüber dem Insulin und/oder die Ausschüttung dieses Hormons ist gestört. Es entsteht eine „relative Insulinresistenz“.

Schwangerschaftsdiabetes ist als Kohlenhydrat-Stoffwechselstörung definiert. Das heißt, es gelangt nicht mehr genug Glukose in die Zellen. Auch hier reagieren die Zellen nicht mehr sensibel genug auf das Hormon Insulin. Diese Diabetes-Form tritt während der Schwangerschaft auf und verschwindet nach der Geburt meist von alleine wieder.

Unter dem Begriff Diabetes Typ 3, den die Leitlinie als „andere spezifische Diabetes-Typen“ führt, versammeln sich acht Untergruppen, die sich nach den infrage kommenden Ursachen dieser Diabetes-Form unterteilen.

Das begünstigt Diabetes Typ 3: Risiko- und weitere Einflussfaktoren

Unter Diabetes Typ 3 fallen sehr unterschiedliche Krankheiten, bei denen jeweils eine sogenannte diabetische Stoffwechsellage mit dauerhaft erhöhtem Blutzuckerspiegel auftritt. Dazu gehören zum Beispiel genetische Defekte, eine chronisch entzündete Bauchspeicheldrüse, Alkoholmissbrauch oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Einige Varianten von Diabetes Typ 3 sind extrem selten, weshalb es teilweise selbst für Ärzte schwierig ist, sie zu erkennen. Im Einzelnen gibt es die Untergruppen A bis H, die Weltgesundheitsorganisation und Praxis-Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft folgendermaßen klassifizieren:

  1. Diabetes Typ 3A – MODY: Das Kürzel steht für „maturity onset diabetes of the young“, übersetzt also in etwa „Erwachsenen-Diabetes, das bei Kindern und Jugendlichen auftritt“. Diese Diabetes-Form entsteht durch genetische Defekte in den insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse (Beta-Zellen).
  2. Diabetes Typ 3B – Gendefekte in der Insulinwirkung: Hier hat das Insulin entweder keine Wirkung mehr auf die Regulierung des Blutzuckers (Typ A) oder der Betroffene entwickelt eine starke Insulinresistenz aufgrund von schwindendem Unterhaut-Fettgewebe (Lipatrophischer Diabetes/Lawrence-Syndrom).
  3. Diabetes Typ 3C – Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse: Diese Form des Diabetes Typ 3 kann auftreten, wenn die Bauchspeicheldrüse chronisch entzündet ist und nach und nach die Drüsenfunktion der insulinproduzierenden Zellen ausfällt. Meist ist der Grund dafür Alkoholmissbrauch. Andere mögliche Auslöser für Typ-3C-Diabetes sind Verletzungen der Bauchspeicheldrüse, die nicht heilbare Erbkrankheit Mukoviszidose (eine Stoffwechselerkranung, bei der zäher Schleim verschiedene lebenswichtige Organe verstopft), die Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose, im Körper reichert sich genetisch bedingt Eisen an und zerstört u. a. die Beta-Zellen) oder Neoplasmen, also Wucherungen bzw. Krebstumoren, die entstehen, weil sich vermehrt neues Gewebe bildet.
  4. Diabetes Typ 3D – Störungen in der Hormonproduktion: Dazu gehören verschiedene hormonelle Störungen wie das Cushing-Syndrom/Morbus Cushing, Akromegalie (gutartiger Tumor, bei dem zu viel Wachstumshormon gebildet wird und sich u. a. die Körperendglieder vergrößern), die Tumorerkrankungen Glucagonom, Somatostatinom, Aldosteronom oder Phäochromozytom sowie Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose).
  5. Diabetes Typ 3E – Medikamente und Chemikalien: In seltenen Fällen kann beides Diabetes auslösen. So kann das (nicht mehr auf dem Markt befindliche) Rattengift Vacor zum Beispiel die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstören, Cortison unter anderem den Stoffwechsel beeinflussen oder das B-Vitamin Nikotinsäure, das eingesetzt wird, um die Blutfette zu senken, die Glukose-Toleranz verschlechtern.
  6. Diabetes Typ 3F – Viren/Infektionen: Auslösen können Diabetes auch verschiedene Viren, z. B. Zytomegalie-Viren, eine Herpesviren-Art. beziehungsweise die durch sie entstehenden Infektionen wie Röteln.
  7. Diabetes Typ 3G – Autoimmunerkrankungen: Darunter fallen sehr seltene immunologische Fehlsteuerungen, zum Beispiel das „Stiff Man“-Syndrom, das Insulin-Autoimmun-Syndrom oder das Antiinsulin-Rezeptor-Antikörper-Syndrom.
  8. Diabetes Typ 3H – andere genetische Syndrome: Auslöser können Erbkrankheiten sein wie: Down Syndrom, die degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems Friedreich-Ataxie, die Nervenkrankheit Chorea Huntington, die bei Männern vorkommende, angeborene Chromosomenstörung Klinefelter-Syndrom, die neurodegenerative Erbkrankheit Wolfram-Syndrom, die Pigmentstoffwechselstörung Porphyrie, die bei Frauen vorkommende Fehlverteilung/strukturelle Veränderung des X-Chromosoms Turner Syndrom, die vererbbare Muskelerkrankung Dystrophia myotonica oder auch der Gendefekt Prader-Willi-Syndrom.

Woran erkennt man Diabetes Typ 3?

Welche Symptome bei Diabetes Typ 3 auftreten, hängt auch immer von der vorliegenden Grunderkrankung ab. Eventuell überlagern diese Beschwerden sogar die Diabetes-Anzeichen, sodass die Zuckerkrankheit lange unbemerkt bleibt. Deren Symptome sind im Grunde aber die gleichen wie bei Diabetes Typ 1 und Typ 2, nämlich:

  • großer Durst
  • häufiger Harndrang
  • Müdigkeit
  • Mundgeruch
  • Gewichtsverlust

Diabetes Typ 3: Untersuchung

Wie bei den anderen Diabetes-Formen auch, hängt der Verlauf von Diabetes-Typ-3-Erkrankungen davon ab, wie früh der Arzt sie erkennt. Da einige Grunderkrankungen, die Diabetes Typ 3 begünstigen können, sehr selten sind, ist dies eine Herausforderung. Den Diabetes selbst kann der Arzt diagnostizieren mittels einer Urin-Untersuchung, einer Blutzuckermessung, der Bestimmung des HbA1c-Werts, der die durchschnittliche Blutzuckerhöhe über einen längeren Zeitraum widerspiegelt, einen Glukosetoleranztest und er kann auch prüfen, wie viel Ketone im Körper sind. Bei schlechter diabetischer Stoffwechsellage lassen sich diese Kohlenstoffwechsel-Produkte per Teststreifen im Urin nachweisen.

Therapie von Diabetes Typ 3

Tabletten helfen bei Diabetes Typ 3 häufig nicht. Klettern die Blutzuckerwerte über 200 mg/dl (als normal gelten bis 100 mg/dl) muss der/die Betroffene Insulin spritzen. Darüber hinaus muss – wie bei Diabetes Typ 1 und Typ 2 – der Blutzucker regelmäßig und passend zu den Mahlzeiten kontrolliert und gegebenenfalls ausgeglichen werden. Außerdem wird der Arzt auch die jeweils vorliegende Grunderkrankung oder zumindest deren Symptome versuchen zu behandeln. In jedem Fall benötigt jede/r Betroffene bei Diabetes Typ 3 eine individuelle Therapie. Beginnt diese frühzeitig, haben manche Formen durchaus Heilungschancen.


Weiterlesen:


Externe Quellen:

  • Broschüre „Diabetes mellitus Typ 3“ der Patienten-Bibliothek gemeinsame GmbH (Stand: 2013)
  • Deutsche Diabetes Hilfe, www.diabetesde.org
  • Diabetesinformationsdienst München, www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de
  • Diabetes Informationsdienst des Deutschen Diabetes Zentrums, https://diabetesinformationsdienst.de
  • Deutsches Zentrum für Diabetesforschung, www.dzd-ev.de