Unterzuckerung rechtzeitig erkennen und behandeln

13. Juli 2020
Unterzuckerung rechtzeitig erkennen und behandeln

Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) ist eine der häufigsten Begleiterscheinungen von Diabetes-Erkrankungen. In vielen Fällen liegt es gerade an der Behandlung der Überzuckerung, dass die Blutzuckerwerte absacken. Da eine Hypoglykämie einen schweren Verlauf nehmen und langfristige Schäden verursachen kann, ist es wichtig, die Symptome zu kennen und rechtzeitig zu handeln.

Was ist eine Unterzuckerung?

In der Medizin spricht man von einer Unterzuckerung, wenn der Blutzucker auf 50 Milligramm pro Deziliter absinkt und Symptome auftreten. Allerdings ist dieser Schwellenwert umstritten. Denn ab wann es zu einer Unterzuckerung und zu merklichen Beschwerden kommt, ist unterschiedlich und lässt sich nicht an einem Wert festmachen.

Während Diabetiker mit einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel auch bei Werten über 50 mg/dl Beschwerden bekommen können, reagieren insbesondere Diabetiker, die bereits viele Unterzuckerungen hatten, weniger sensibel auf niedrige Blutzuckerwerte – auch wenn diese weit unter dem offiziellen Schwellenwert liegen.

Sind die Blutzuckerwerte zu niedrig, wird das Gehirn nicht mehr mit ausreichend Energie versorgt. Daher schlägt es Alarm: Es schüttet Botenstoffe aus, wodurch die typischen Hypoglykämie-Symptome ausgelöst werden. Auf diese Weise wird dem Körper signalisiert, dass ein Nachschub an Kohlenhydraten benötigt wird. Gleichzeitig werden Zuckerdepots mobilisiert, um das Defizit auszugleichen.

Welche Ursachen hat eine Unterzuckerung?

Wenn eine Unterzuckerung auftritt, hat dies immer nur einen Grund: Im Körper befindet sich zu viel Insulin und zu wenig Glukose. Meist sind Menschen mit dem Diabetes Typ 1 und Schwangerschaftsdiabetes davon betroffen. Jedoch kann auch der Diabetes Typ 2 mit Unterzuckerungen verbunden sein, wenn die Betroffenen mit Insulin behandelt werden. Die Ursachen für eine Unterzuckerung liegen dann bei allen Diabetes-Typen bei Behandlungs- und Dosierungsfehlern – etwa, wenn die Insulingaben zu hoch und die Zielwerte des Blutzuckers zu niedrig angesetzt sind.

Der Mangelzustand entsteht aber auch, wenn die Betroffenen über längere Zeit zu wenig oder unausgewogen essen. Ebenso lässt Alkoholkonsum das Risiko für eine Unterzuckerung rapide ansteigen. Denn befindet sich Alkohol im Blut, setzt die Leber weniger Glukose frei, da sie mit der Entgiftung des Körpers beschäftigt ist.

Zudem sollte bedacht werden, dass man mit steigender körperlicher und geistiger Tätigkeit mehr Energie braucht. Sport und anspruchsvolle Aufgaben, die über mehrere Stunden hinweg eine hohe Konzentration erfordern, können somit zu leichten Unterzuckerungen führen.

Weitere Ursachen für eine Unterzuckerung sind:

  • die Diabetesdauer
  • die Dauer der Insulinbehandlung bei Diabetes 2
  • ein höheres Alter
  • Leberfunktions- und Nierenfunktionsstörungen

An welchen Symptomen kann ich eine Unterzuckerung erkennen?

Bei den Symptomen einer Unterzuckerung muss man zwischen milden und schweren Verlaufsformen unterscheiden: Je niedriger die Blutzuckerwerte, desto schwerer die Symptomatik und desto gefährlicher wird der Mangelzustand für den Betroffenen – nicht nur kurzfristig durch eine erhöhte Unfallgefahr infolge von Krampfanfällen und Bewusstlosigkeit. Treten Unterzuckerungen wiederholt auf, sind auch langfristige neurologische Störungen und ein erhöhtes Demenzrisiko möglich.

Zugleich verschlechtert sich mit jeder Unterzuckerung die Wahrnehmung dafür, dass die Blutzuckerwerte zu niedrig sind. Das heißt: Betroffene merken erst bei sehr niedrigen Werten die Unterzuckerung und ordnen erst spät die Symptome richtig ein. In diesem Fall handelt es sich um eine Hypoglykämiewahrnehmungsstörung.

Die Symptome einer Unterzuckerung entstehen, weil der Körper Adrenalin ausschüttet. Dadurch sollen die Zuckerdepots in der Leber mobilisiert werden. Sinken die Blutzuckerwerte nur leicht ab, treten folgende Symptome auf:

  • Zittern
  • Blässe
  • Kalter Schweiß
  • Herzrasen
  • Unruhe
  • Heißhunger
  • Konzentrationsstörungen
Zittern ist ein Symptom für Unterzuckerung. Bild: iStock

Bei einer schweren Unterzuckerung mit extrem niedrigen Zuckerwerten können zusätzlich diese Symptome auftreten:

  • Schwindel
  • Verwirrtheit bis hin zu Orientierungslosigkeit
  • Krämpfe
  • Seh-, Sprach- und Bewegungsstörungen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Krampfanfälle
  • Bewusstlosigkeit
  • Koma

Schnelle Hilfen bei leichten und schweren Unterzuckerungen

Während Betroffene bei einer leichten Hypoglykämie in der Lage sind, selbst Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wird im Falle der schweren Form fremde Hilfe nötig. Das Problem: Die Betroffenen werden schnell handlungsunfähig. Denn werden die Symptome richtig erkannt, kann sich der Zustand bereits kurz darauf rapide verschlechtern. Umso wichtiger ist es dann, dass Außenstehende richtig auf die Unterzuckerung reagieren.

Ist der Betroffene handlungsfähig, besteht der erste Schritt immer darin, den Körper mit Zucker zu versorgen, der schnell ins Blut gelangt. Dafür eignet sich am besten 20 g purer Traubenzucker oder 200 ml Saft oder Limonade. Bei einer schweren Unterzuckerung, die den Betroffenen handlungsunfähig macht, sollte die Menge auf 30 g beziehungsweise 300 ml erhöht werden.

Nach zehn bis 15 Minuten sollte der Blutzucker kontrolliert werden. Liegen die Werte unter 60 mg/dl, muss der Betroffene erneut Traubenzucker einnehmen. 100 mg/dl gelten als Zielwert, der etwa nach 30 Minuten erreicht werden sollte.

Hat der Betroffene das Bewusstsein verloren, darf ihm in keinem Fall Saft, Traubenzucker oder Sonstiges verabreicht werden – hierbei besteht Erstickungsgefahr. Stattdessen sollte man direkt den Notarzt (112) rufen.

Wenn Betroffene das Bewusstsein verlieren sollte der Notarzt angerufen werden. Bild: iStock

Wie beuge ich einer Unterzuckerung vor?

Damit es erst gar nicht zu einer Unterzuckerung kommt, ist es wichtig, dass Betroffene ihre Zuckerwerte immer im Blick behalten und mehrmals am Tag kontrollieren. Diese Maßnahme gibt besonders Diabetikern mit Hypoglykämiewahrnehmungsstörungen mehr Sicherheit.

Auch ist es ratsam, immer Traubenzucker dabei zu haben und ausnahmslos vor jeder Sporteinheit oder einer anstrengenden Tätigkeit ein bis zwei Brot-Einheiten (BE) mehr zu essen. Um einer Unterzuckerung in der Nacht vorzubeugen, sollten Betroffene darauf achten, dass die Blutzuckerwerte bei mindestens 120 mg/dl liegen und auf schnell wirkendes Insulin verzichten.

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