Neue Hoffnung für Diabetiker

Neue Hoffnung für Diabetiker

Von „Riesenfortschritten“ ist die Rede, von „Meilensteinen“ und sogar von „Revolution“ – so klingt es, wenn Diabetologen über die Fortschritte auf ihrem Fachgebiet sprechen. „Zwar ist Diabetes immer noch eine Krankheit, die man sehr ernst nehmen sollte“, sagt Dr. Jens Kröger, Vorsitzender der Deutschen Diabetes Hilfe. „Doch Betroffene haben heute gute Aussichten, 80 oder sogar 90 Jahre alt zu werden – und das bei hoher Lebensqualität.“.

Mehr Wissen, bessere Medikamente

Was hat sich also geändert? Zunächst gilt: Weil Forscher heute mehr über die Zusammenhänge wissen und Patienten besser geschult werden, gelingt es mittlerweile etwa jedem zweiten Diabetes-2-Kranken, seinen Blutzucker allein durch Lebensstiländerungen und ohne Medikamente niedrig zu halten. Doch auch wer Tabletten einnehmen muss, hat es heute leichter. „Es stehen uns neue Wirkstoffe zur Verfügung, die weniger Nebenwirkungen haben als frühere Generationen“, sagt Dr. Jens Kröger. „Und einige – wie etwa der Wirkstoff ,Empagliflozin‘ – senken nicht nur den Blutzucker, sondern zeigen zugleich auch eine Schutzwirkung vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“

Sensor statt täglich Pieksen

Doch was ist mit den Diabetes-2-Patienten, die nicht auf Tabletten ansprechen und – wie auch alle Diabetes-1-Kranken – dauerhaft Insulin spritzen müssen? Sie profitieren von neuen Mess-Systemen wie etwa dem „Glucose-Flash- Monitoring“ (FGM), das den Fingerpieks ersetzen kann. Die münzgroßen Messgeräte werden dauerhaft am Oberarm angebracht und erheben den Zuckerwert im Unterhautgewebe. Der Patient liest die Werte mithilfe eines Lesegeräts ab und stimmt seine Insulingabe darauf ab. Das Risiko für Unterzuckerung sinkt damit erheblich. Kleiner Wermutstropfen: Die Kassen zahlen das GFM-System nur, wenn andere Verfahren nicht anschlagen. Gleiches gilt für eine ebenfalls ständig getragene Insulinpumpe, die das Spritzen mit dem Pen ersetzt.

Neue Hoffnung für Diabetiker
Diabetologe Dr. Jens Kröger

Kommt die „künstliche Bauchspeicheldrüse“?

Auch die Zukunft der Diabetes-Behandlung ist rosig: Diabetologe Dr. Jens Kröger rechnet damit, dass die in den USA bereits zugelassene sogenannte„künstliche Bauchspeicheldrüse“ in den kommenden Jahren auch in Deutschland zum Einsatz kommt. Das System misst den Blutzucker und errechnet daraus die ideale Insulindosis, die dann automatisch freigesetzt wird. Eine andere Idee, an der in Japan zur Zeit geforscht wird: „intelligentes“ Insulin-Gel. Es wird unter die Haut implantiert und verändert seine Konsistenz abhängig vom Blutzuckerspiegel. Steigt dieser zu sehr an, wird das Gel entsprechend durchlässiger und dadurch der implantierte Insulin-Katheter aktiviert.