Gesunde Ernährung ohne Verzicht – Interview mit Fernsehkoch Kolja Kleeberg

Enjoy Life
11. November 2018
Gesunde Ernährung ohne Verzicht – Interview mit Fernsehkoch Kolja Kleeberg

Nur noch Vollkorn und bloß keinen Geschmack? Im Interview erklärt der beliebte Fernsehkoch Kolja Kleeberg, warum dieses Vorurteil gegenüber gesunder Ernährung längst überholt ist und warum die richtige Ernährung bei Diabetes nicht gleichbedeutend mit Verzicht ist.

Man kennt ihn als Feinschmecker und begeisterten Fernsehkoch. Doch Kolja Kleeberg (54) legt nicht nur Wert auf Geschmack, sondern ihm liegt auch das Thema „gesundes Essen“ am Herzen. Deshalb nahm er kürzlich an der Veranstaltung „Parlamentarisches Kochen“ teil, die die „Deutsche Diabetes-Hilfe“ in Berlin veranstaltete. Wir haben mit ihm gesprochen:

Auf Bedürfnisse von Diabetikern eingehen

Herr Kleeberg, warum engagieren Sie sich in der Diabetes-Prävention?

„Man weiß ja heute sehr viel über die Entstehung von Diabetes und welche Rolle die Ernährung spielt. Aufklärung ist da ganz entscheidend. Zu der Zeit, als ich Lehrling war, herrschte dagegen die „Arroganz der Unwissenden“: In Restaurants und auf Koch-Veranstaltungen wurde allen Gästen dasselbe Essen serviert – Menschen mit Diabetes oder Nahrungsunverträglichkeit, Vegetariern …“

Was hat sich denn in der Kochszene verändert?

„Vor einer Veranstaltung frage ich heute immer, ob es Gäste mit besonderen Bedürfnissen gibt. Dann stelle ich mich beim Kochen darauf ein. Es gibt mittlerweile ja zum Beispiel viele Menschen, die vegetarisch essen oder ganz auf tierische Produkte verzichten. Darauf nehme ich auch Rücksicht. Und ganz allgemein lege ich heute noch mehr Wert darauf, vollwertig und gesund zu kochen als früher.“

Geht das denn nicht zulasten des Geschmacks?

„Das denken tatsächlich viele Menschen. Ein großer Irrtum! Bei mir gibt es eine wichtige Regel, die ich als lustvolle Herausforderung empfinde: Gesund essen heißt nicht verzichten! Oft sind es ganz kleine Veränderungen, die viel bewirken.“

Welche Veränderungen empfehlen Sie denn?

„Ein großer Schritt ist schon getan, wenn man auf raffinierten Zucker verzichtet. Ich esse kaum Süßigkeiten. Stattdessen habe ich immer eine Schale mit Nüssen in greifbarer Nähe – Walnüsse, Cashews oder Pistazien. Beim Kochen sind Möhren ein guter Süßmacher. Und noch ein Tipp: Gibt man zum Nachtisch – etwa einem Schoko-Pudding – ein wenig Salz hinzu, nimmt der Körper den enthaltenen Zucker besser auf. Unser Gehirn verlangt dadurch nicht noch mehr Süßes.“

Interview mit Fernsehkoch Kolja Kleeberg
„Gesund essen heißt nicht verzichten!“

Worauf achten Sie noch beim Kochen?

„Ein zweiter wichtiger Schritt, mit dem sich Diabetes vorbeugen lässt ist es, stärker auf pflanzliche als auf tierische Eiweiße zu setzen. Statt Fleisch verwende ich für meine Gerichte zum Beispiel gern Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen.“

Welchen Tipp haben Sie noch für unsere Leser?

„Grundsätzlich gilt: Wer mit Spaß bei der Sache ist und sich mit den Lebensmitteln beschäftigt, hat schon die erste Grundlage für gesunde Ernährung erschaffen. Ich liebe es zum Beispiel, alte Sorten wiederzuentdecken – etwa die eiweißreiche „Alb-Linse“, die aus der Schwäbischen Alb stammt. Zurzeit koche ich auch gern Riebel – ein lang vergessenes, vollwertiges Maisgericht aus Vorarlberg.“