Die größten Irrtümer bei Diabetes

Die größten Irrtümer bei Diabetes

Um die Stoffwechselstörung ranken sich viele Mythen. Doch viele davon sind wissenschaftlich längst widerlegt. Was Betroffene wissen sollten:

Nur alte Menschen bekommen Diabetes? Dass es sich hierbei um einen Irrglauben handelt, ist heute den meisten bekannt. Schließlich zeigen Studien, dass nicht das Alter, sondern Übergewicht der größte Risikofaktor für die Krankheit ist. Doch was ist mit anderen Glaubenssätzen, die zum Thema Diabetes in Umlauf sind? Einige von ihnen können wir getrost vergessen…

Mythos 1: Die Symptome sind leicht zu erkennen

Leider nicht. Zwar sind vermehrter Durst und Hunger sowie starker Harndrang und Müdigkeit typische Symptome. Doch bei vielen Diabetikern treten diese gar nicht auf. Und andere, ungewöhnlichere werden übersehen – etwa extrem trockene Haut, Juckreiz oder eine erhöhte Infektanfälligkeit. Auch unerklärlicher Gewichtsverlust kann ein Hinweis auf Diabetes sein. Ärzte raten: Weil ein unbehandelter Diabetes dauerhaften Schaden anrichten kann (etwa Nervenstörungen), auch bei leisem Verdacht die Werte checken lassen!

Mythos 2: Diabetes ist eine heilbare Krankheit

Bislang nicht. Für Diabetes Typ 2 gilt: Haben die Körperzellen erst einmal „verlernt“, den Zucker aus dem Blut einzuschleusen, ist dieser Vorgang nicht umkehrbar. Lediglich das Fortschreiten der Krankheit lässt sich bremsen – vor allem durch den Abbau von Übergewicht. Für Patienten mit Typ-1-Diabetes, für die bisher keine Heilungsaussichten bestanden, gibt es jetzt jedoch neue Hoffnung: Britische Forscher fanden heraus, dass ein bereits etablierter Blutdruck-Senker (Verapamil) bei einigen Betroffenen die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse anregt. Bis zur Anwendung ist aber weitere Forschung nötig.

Mythos 3: Zucker und Alkohol sind tabu

Diese strenge Regel gilt nicht mehr. Zwar sollten Diabetiker möglichst nicht mehr als ein Glas Bier oder Wein täglich trinken (Frauen ein halbes), ansonsten gelten aber dieselben Ernährungsregeln wie für Gesunde: Ebenso wie Salz und vorzugsweise pflanzliches Fett sind bis zu sechs Teelöffeln Zucker am Tag erlaubt. Neben viel Obst und Gemüse empfiehlt die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ (DGE) zudem reichlich Vollkornprodukte.

Die größten Irrtümer bei Diabetes
Ein halbes Glas Wein am Tag ist auch für Diabetiker ohne Bedenken genießbar!

Mythos 4: Jeder Patient braucht Insulin-Spritzen

Falsch. Vielen Menschen mit Diabetes Typ 2 gelingt es nach der Diagnose, ihre Blutzuckerwerte über lange Jahre allein durch viel Bewegung und gesunde Ernährung stabil zu halten. Erst wenn dies nicht mehr ausreicht, verordnet der Arzt blutzuckersenkende Medikamente und später eine Insulintherapie.

Mythos 5: Diabetiker sind extrem eingeschränkt

Das stimmt nicht. Mit etwas Planung können Diabetiker heute ein ganz normales Leben mit nur wenigen Einschränkungen führen. Typ-2-Patienten, die sich ausreichend bewegen und gesund essen, können auch mal nach Herzenslust schlemmen. Wer Medikamente nimmt, sollte diese bei Ausflügen, Einladungen zum Essen oder ungewohnten Aktivitäten immer dabei haben und den Blutzucker lieber einmal mehr messen. Eine große Erleichterung für Typ-1- und Typ-2-Patienten bieten zudem moderne Mess-Systeme, die den Blutzucker kontinuierlich per Sensor erheben und den Fingerpiks in Zukunft ersetzen werden.

Mythos 6: Nahrungsmittel für Diabetiker sind gesund

Ärzte sagen: Nein. Sie raten von Diabetiker- und Diät-Produkten sogar ganz ab. Der Grund: Viele enthalten zu viel Fett und Zucker-Ersatzstoffe, die Übergewicht begünstigen, und sind zudem teurer. Einzige Ausnahme: Zuckerarme, sogenannte Light-Varianten von Soft-Getränken sind tatsächlich gesünder.