Diabetes-Typen – Experten fordern neue Einteilung

Avatar-Foto
8. März 2018
Diabetes-Typen – Experten fordern neue Einteilung

Gibt es bald Typ-5-Diabetes? Wenn es nach den Forschern der schwedischen Lund-Universität geht, gibt es den schon. Sie halten die bisherige Einteilung in zwei Subtypen für zu kurz gedacht. Stattdessen schlagen sie eine neue Klassifizierung vor.

Die Wissenschaftler werteten vier Studien mit insgesamt 14.775 Diabetes-Patienten aus Finnland und Schweden aus. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass eine zu starke Vereinheitlichung der Erkrankung häufig Behandlungsfehler nach sich zieht. Sie fordern darum eine neue Unterteilung in Diabetes-Subtypen.

Herkömmliche Klassifizierung von Diabetes-Typen

Bisher ist die Unterscheidung von Diabetes in Typ eins und Typ zwei üblich (plus der Sonderform Schwangerschaftsdiabetes). Diese Klassifizierung beruht auf den unterschiedlichen Ursachen der Diabetes-Erkrankung.

Typ-1-Diabetes liegt eine Fehlfunktion des Immunsystems zugrunde. Das Immunsystem greift die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse an – die Folge ist ein Insulinmangel. Typ-1-Diabetiker müssen sich darum regelmäßig Insulin spritzen.

Bei Typ-2-Diabetikern stellt die Bauchspeicheldrüse eigentlich ausreichend Insulin her – allerdings reagiert der Körper nicht mehr richtig auf das Hormon und schafft es nicht, den Blutzuckerspiegel mit Hilfe des vorhandenen Insulins konstant zu halten – es liegt eine sogenannte Insulinresistenz vor, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann.

Neue Klassifizierung basiert auf Symptomen statt auf Ursachen

Bei milden Formen von Typ-2-Diabetes kann es schon ausreichen, die Ernährung umzustellen und gegebenenfalls Medikamente einzunehmen – das regelmäßige Spritzen von Insulin ist nur bei schwereren Formen notwendig.

Solche Unterschiede sind es, auf die die schwedischen Wissenschaftler aufmerksam machen wollen – ihrer Ansicht nach handelt es sich bei den verschiedenen Ausprägungen in Wahrheit um unterschiedliche Diabetestypen. In ihrer Studie beobachteten sie, dass es aufgrund zu starker Vereinheitlichung verschiedener Krankheitsbilder häufig zu Fehltherapien kommt – so beginnen viele Patienten deutlich zu spät mit der Insulintherapie.

Um eine für den Patienten optimale Behandlung zu gewährleisten, plädieren sie darum für eine Unterteilung, die sich nach Art und Ausprägung der Symptome richtet. Die einzelnen Typen nennen sie „Cluster“ (englisch für Gruppen). Zwischen den fünf Clustern bestehen neben den unterschiedlichen Symptomen auch genetische Unterschiede. Folgende Unterteilung schlagen die Forscher vor:

Cluster 1: In diese Kategorie fallen Patienten mit Insulinmangel, bei denen sich Antikörper gegen körpereigene Enzyme im Blut nachweisen lassen – also Patienten mit „herkömmlichem“ Typ-1-Diabetes.

Cluster 2: In dieser Gruppe fassen die schwedischen Forscher junge Patienten zusammen, bei denen ebenfalls ein Insulinmangel vorliegt, sich jedoch keine für Typ-1-Diabetes typischen Antikörper im Blut nachweisen lassen. Sie haben ein stark erhöhtes Risiko für diabetesbedingte Netzhautschäden, die sogenannte diabetische Retinopathie.

Cluster 3: Zu diesem Cluster gehörende Patienten leiden an einer schweren Insulinresistenz und müssen mit Insulin behandelt werden. Ihr Risiko für Nierenerkrankungen als Folge ihres Diabetes ist besonders erhöht.

Cluster 4: Diese Kategorie umschreibt eine milde Form der Insulinresistenz, die meist auf Übergewicht zurückzuführen ist und vor allem bei relativ jungen Patienten vorkommt.

Cluster 5: Von dieser ebenfalls milden Form der Insulinresistenz sind vorrangig ältere Menschen betroffen.