Diabetes-Mythen im Check

Diabetes-Mythen im Check

Wer Diabetes hat, der nascht zu viele Süßigkeiten, ist dick und muss Insulin spritzen – so lauten gängige Klischees. Über Diabetes kursieren viele Gerüchte – wir checken was stimmt und was nicht.

Diabetiker haben zu viel Süßes gegessen

Das stimmt nicht. Zwar ist Experten zufolge auch der Lebensstil ein Faktor für die Entstehung von Diabetes Typ 2. Aber der Zucker ist nicht unbedingt der Schuldige. Vielmehr steigt das Risiko an Typ 2-Diabetes zu erkranken, wenn man sich generell kalorienreich ernährt, viel Fett zu sich nimmt und Übergewicht mit sich herumschleppt. Bei Diabetes – vor allem bei Typ 1, aber auch bei Typ 2 – sind aber immer (auch) genetische Faktoren beteiligt.

Diabetes wird man nie wieder los

Für die meisten Diabetes-Patienten trifft das zu, Diabetes ist eine chronische Stoffwechselkrankheit. Dennoch muss auch dieser Diabetes-Mythos entlarvt werden. Typ 2-Diabetiker können durch eine konsequente Therapie (u. a. Bewegung, Ernährung) ihre Erkrankung so kontrollieren, dass sie sie im Alltag kaum bemerken. Auch der sogenannte Schwangerschaftsdiabetes ist nicht gekommen, um zu bleiben: Er verschwindet meist nach der Geburt von selbst wieder.

Diabetiker haben Übergewicht und wer Übergewicht hat, bekommt Diabetes

Wer (viel) zu viel Gewicht mit sich herumschleppt, bekommt in der Tat eher Diabetes Typ 2. Laut der Deutschen Diabetes-Hilfe steigt das Risiko bei Übergewicht (BMI ab 25) auf das Doppelte, bei adipösen Menschen (BMI > 30) ist es sogar dreimal so hoch. Aber: Das Gewicht ist nicht allein ausschlaggebend dafür, ob man zuckerkrank wird oder nicht. Auch Veranlagung, Alter und Lebensstil spielen eine Rolle. Nicht alle Menschen mit Typ 2-Diabetes haben Übergewicht und nicht jeder, der übergewichtig ist, bekommt Diabetes.

Diabetes Typ 2 bekommen nur alte Menschen

Diese Diabetes-Variante heißt zwar auch „Altersdiabetes“ und tritt öfter bei älteren Menschen beziehungsweise in der zweiten Lebenshälfte auf als bei jungen Menschen. Aber das Alter schützt vor Diabetes nicht. Im Gegenteil. Immer mehr junge Menschen sind hierzulande von Diabetes Typ 2 betroffen. Laut Deutscher Diabetes-Hilfe erkranken jedes Jahr 200 Kinder und Jugendliche neu an „Altersdiabetes“.

Strenge Diät und kompletter Verzicht auf Süßigkeiten und Kohlenhydrate?

Diagnose Diabetes: Aber bedeutet das strenger Verzicht von Kohlenhydraten?

Das ist ein Irrglaube. Im Grunde dürfen Diabetes-Patienten alles essen, was auch Nicht-Diabetiker essen dürfen. Und auch für sie gilt: Bewegt man sich regelmäßig und ernährt sich größtenteils ausgewogen, sind Süßigkeiten ab und zu kein Problem. Auch kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Reis, Nudeln oder Kartoffeln müssen Diabetiker nicht vom Speiseplan streichen – sie sollten aber wann immer möglich zur Vollkornvariante greifen, da die den Blutzucker nicht so schnell in die Höhe treiben. Das ist ohnehin die Crux, egal, was Diabetiker zu sich nehmen: Sie müssen ihren Blutzucker im Blick behalten und ihn entsprechend (medikamentös) ausgleichen.

Diabetiker sollten spezielle Diabetiker-Produkte essen

Falsch! Weder Diabetiker- noch Diät-Produkte sind sinnvoll für Menschen mit Diabetes.

Seit einigen Jahren dürfen Lebensmittel auch gar nicht mehr als spezielle Produkte für Diabetiker gekennzeichnet werden. Sie entstanden, weil man annahm, dass sich Diabetes bessert, wenn Patienten auf Haushaltszucker, Maltodextrin und Glukosesirup verzichten. Dem ist aber nicht so. Diabetiker-Produkte enthielten zudem zwar keinen Zucker, aber oft mehr Fett und Kalorien und die Zuckeraustauschstoffe sind schwerer verdaulich. Besser: möglichst naturbelassen, ausgewogen und abwechslungsreich essen.

Diabetiker werden leichter krank

Sie werden nicht prinzipiell leichter krank, aber das Risiko für Komplikationen ist bei Diabetes-Patienten höher. So gerät zum Beispiel der Stoffwechsel aus dem Tritt, wenn das Immunsystem die Abwehr gegen die Krankheitserreger aktiviert, die Blutzuckerwerte steigen in der Folge. Deshalb: Bei Krankheit den Blutzucker engmaschig kontrollieren und die Insulindosis gegebenenfalls anpassen. Oder schon vorsorglich impfen lassen, beispielsweise gegen Grippe. Wichtig: Diabetiker müssen bestimmte Dinge bei der Einnahme von Medikamenten beachten – noch ein Grund, besonders auf die eigene Gesundheit zu achten.

Diabetiker dürfen keinen Sport machen

Ganz falsch. Diabetiker dürfen nicht nur Sport machen, sie sollen sogar. Sport und Bewegung können dazu beitragen, dass Diabetes-Patienten ihr Körpergewicht reduzieren und sich der Blutzucker besser einstellen lässt. Manchmal kann Sport sogar mitverantwortlich dafür sein, dass der Patient weniger Insulin braucht. Allerdings müssen Diabetes-Patienten darauf achten, durch die körperliche Aktivität nicht in den Unterzucker zu rutschen. Vor dem Sport sollten sie deshalb abschätzen, wie viel sie essen und welche Insulinmenge sie spritzen. Während des Sports sollte der Blutzucker auch mal kontrolliert werden. Man muss kein Leistungssportler werden, könnte es aber. Egal, ob mit Diabetes Typ 1 oder 2.

Frauen mit Diabetes sollten keine Kinder bekommen, das ist gefährlich

Wirklich gefährlich ist es nicht, aber Frauen mit Kinderwunsch sollten sich mit ihrem Frauen- und Diabetesarzt gut darauf vorbereiten. Ist die Frau geimpft, ihr Blutzucker gut eingestellt und die gesamte gesundheitliche Situation in Ordnung, steht einer Schwangerschaft nichts im Wege. Die werdende Mutter sollte aber natürlich während der Schwangerschaft regelmäßig ihren Blutzucker kontrollieren und Protokoll darüber und ihr allgemeines Wohlbefinden bzw. Beschwerden führen.

Jeder Diabetiker muss Insulin spritzen

Typ 1-Diabetiker müssen tatsächlich immer Insulin spritzen. Für Diabetiker vom Typ 2 trifft das nicht zu. Gerade in der frühen Phase können sie teils noch ganz ohne Medikamente – allein mit Bewegung und Ernährungsumstellung – den Blutzucker verbessern. Später genügen eventuell (zumindest eine Weile) Tabletten.


Quellen:

  • Deutsche Diabetes-Hilfe; www.diabetesde.org
  • Diabetes online; www.diabetes-online.de
  • Aponet; www.aponet.de