Diabetes insipidus

7. Juli 2020
Diabetes insipidus

Diabetes insipidus hat mit der „Zuckerkrankheit“ Diabetes mellitus nicht viel mehr gemein als das erste Wort. Lesen Sie hier, wie sich Diabetes insipidus äußert, was die Krankheit verursacht und was sich dagegen tun lässt.

ADH-Mangel bei  Diabetes insipidus 

Bei Diabetes insipidus handelt es sich um eine seltene Form einer Hormonmangelerkrankung. Im Gegensatz zu Diabetes mellitus ist bei Diabetes insipidus nicht das Hormon Insulin das Problem, sondern das Hormon Vasopressin, auch antidiuretisches Hormon (ADH) genannt. Das Gehirn produziert es nicht oder nicht in ausreichender Menge. Da dieses Hormon mit dafür verantwortlich ist, die Wassermenge im menschlichen Körper zu regulieren, indem es den Nieren das Signal gibt, den Urin zu konzentrieren und zurückzuhalten, bilden sich bei einem ADH-Mangel übermäßige Mengen stark verdünnten Urins, der ungebremst durch die Nieren läuft.

Es gibt zwei Arten von Diabetes insipidus:

  • Diabetes insipidus centralis: Bei dieser Variante, die auch als neurogener, kranieller oder Vasopressin-empfindlicher Diabetes insipidus bekannt ist, produziert das Gehirn das Hormon Vasopressin nicht oder nicht in ausreichender Menge.
  • Diabetes insipidus renalis: Beim sogenannten Vasopressin-resistenten oder auch nephrogenen Diabetes insipidus spricht die Niere nicht (mehr) auf das Vasopressin an.

Diabetes insipidus: Symptome der Erkrankung

Die typischen und oft auch einzigen Symptome eines Diabetes insipidus sind

  • übermäßige Urinproduktion (Polyurie): Betroffene wachen sogar nachts oft auf, um auf die Toilette zu gehen (Nykturie).
  • übermäßiger Durst: Menschen mit Diabetes insipidus können enorme Mengen Flüssigkeit (bis zu 20 Liter pro Tag) trinken. Und das müssen sie auch – denn ersetzen sie die über den Urin ausgeschiedene Flüssigkeit nicht, droht eine Dehydratation, die wiederum den Blutdruck sinken lassen und einen Kreislaufschock auslösen kann.

Die Symptome können plötzlich auftreten oder sich nach und nach entwickeln. Zudem können sich weitere, eher allgemeine Anzeichen wie Muskelschwäche, Verwirrtheit oder Trägheit zeigen. Diese Symptome können auftreten, wenn der körpereigene Elektrolythaushalt durcheinandergerät: Bei der sogenannten Hypernatriämie steigt die Natriumkonzentration im Blutserum (mediz. Serumnatrium) über einen kritischen Wert. Sie entsteht, wenn der Wasseranteil im Körper in Relation zur Gesamtkörpermenge an Natrium zu niedrig ist.

Ursachen und Risikofaktoren für Diabetes insipidus

Diabetes insipidus kann verschiedene Ursachen haben. Die häufigste ist eine Störung in der Produktion oder Aufnahme des Hormons Vasopressin. Diese Störung kann vererbt oder durch eine andere Erkrankung verursacht sein. Manchmal lässt sich die Ursache für die Störung auch gar nicht finden.

Die häufigste Ursache von Diabetes insipidus ist eine Störung in der Produkt oder Aufnahme des Hormons Vasopressin. Bild: iStock

Erkrankungen, die zu einer Produktionsstörung des Hormons führen und zu Diabetes insipidus centralis führen können sind zum Beispiel:

  • Hirnverletzungen
  • Tumore
  • Verschlüsse oder Aussackungen (Aneurysmen) der Wand hirnversorgender Arterien
  • Tuberkulose (eine chronische Infektion der Lunge)

Wenn die Niere nicht mehr auf das ADH anspricht (Diabetes insipidus renalis), kann dies an einer Nierenstörung wie Niereninsuffizienz oder Nierenbeckenentzündung liegen, aber auch eine Folge von Vergiftungen oder bestimmten Medikamenten sein.

Diabetes insipidus: Diagnose und Behandlung

Einen Diabetes insipidus müssen Sie ärztlich behandeln lassen. Zunächst wird der Experte Sie im Zuge des Patientengesprächs fragen, wann die Symptome erstmals aufgetreten sind, wie heftig sie ausfallen, ob Sie Medikamente nehmen oder andere Erkrankungen bekannt sind. Diese sogenannte Anamnese hilft ihm bereits, grob abzuschätzen, ob es sich um Diabetes insipidus handeln könnte oder nicht. Danach kann er weitere Untersuchungen durchführen, zum Beispiel:

  • Diabetes mellitus ausschließen: Da sich auch die Zuckerkrankheit über erhöhte Urinausscheidung äußert, wird der Arzt zunächst prüfen, ob sich Zucker im Harn findet.
  • Laboruntersuchung: Im Labor kann der Arzt die Serum- und Urinosmolalität untersuchen lassen, also der Anzahl der im Blutserum und im Urin gelösten Teilchen. Bei Diabetes insipidus ist der Wasserhaushalt des Körpers gestört, die Serumosmolalität ist hoch und die Urinosmolalität ist niedrig.
  • Durstversuch: Besteht ein solches Ungleichgewicht von Serum- und Urinosmolalität, wird der Arzt vermutlich einen sogenannten Durstversuch durchführen. Dabei misst er vor und nach einer Durstperiode die Konzentration des antidiuretischen Hormons in Urin und Blutplasma. Liegt ein Diabetes insipidus centralis vor, wird er keinen ADH-Anstieg feststellen können.
  • Harnmessungen: Darüber hinaus kann der Arzt während der Durstphase immer wieder Volumen, Osmolalität und spezifisches Gewicht des gesammelten Urins messen. Ist das Harnvolumen konstant und die Osmolalität niedrig, kann dies ein Zeichen für Diabetes insipidus sein.
  • Blutuntersuchungen: Mit diesen lässt sich feststellen, ob die Elektrolytkonzentration (u. a. Natrium) ungewöhnlich hoch ist.
  • Sonstiges: Um Grunderkrankungen auszuschließen, die den Diabetes insipidus verursacht haben könnten, wird der Arzt den Patienten auch daraufhin untersuchen.

Die Therapie eines Diabetes insipidus richtet sich danach, was die Erkrankung ausgelöst hat. Bei hormonellen Ursachen lässt sich der ADH-Mangel, also das fehlende oder nicht ausreichend vorhandene Hormon, durch ein künstliches, der Natur nachempfundenes (Desmopressin) ausgleichen. Funktionieren die Nieren nicht mehr richtig, muss der Arzt dort mit der Behandlung ansetzen. Meist begleiten Maßnahmen die Therapie, die die Urinmenge reduzieren und die Wasserbilanz durch entsprechende Flüssigkeitszufuhr ausgleichen sollen. Mit der individuell passenden Therapie ist es möglich, trotz Diabetes insipidus ein (fast) normales Leben zu führen.

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