Das 1×1 der Süßmacher: Süßstoffe im Check

27. Juli 2022
Das 1×1 der Süßmacher: Süßstoffe im Check

Zucker ist nicht gleich Zucker – das ist besonders für Diabetiker wichtig. Denn die vielfältigen süßen Alternativen wirken ganz unterschiedlich auf den Blutzuckerspiegel. Hier präsentiert die renommierte Biochemikerin Jessie Inchauspé ihre Favoriten.

Lust auf Süßes? Als Diabetiker ist es besonders empfehlenswert, Zucker zu reduzieren. Denn dieser liefert nicht nur viele Kalorien, sondern treibt auch zeitgleich den Blutzuckerspiegel in die Höhe. Die Alternativen-Vielfalt ist groß. Neben bekannten Süßstoffen wie Aspartam, Acesulfam-K und Cyclamat können auch die sogenannten Zuckeraustauschstoffe eine Option für Diabetiker sein. Hier verrät die Zuckerexpertin Jessie Inchauspé ihre süßen Lieblinge und wie Sie den richtigen Süßmacher auswählen.

KategorieBeschreibungBeispiele
SüßstoffeSie werden häufig synthetisch hergestellt und haben eine erheblich höhere Süßkraft als Haushaltszucker. Außerdem enthalten sie keine Kalorien.Acesulfam-K, Aspartam, Cyclamat, Saccharin, Sucralose, Steviosid
ZuckeraustauschstoffeHierbei handelt es sich um Zuckeralkohole, die einen geringen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel haben und ähnlich süß wie Haushaltszucker sind. Dennoch liefern sie dem Körper Energie und haben ca. 2,4 kcal je Gramm. In großen Mengen können sie abführend wirken.Sorbit, Erythrit, Xylit, Isomalt, Mannitol, Maltitol, Lactitol
SüßungsmittelUnter diesem Begriff werden Zuckeraustauschstoffe und Süßungsmittel zusammengefasst.(siehe Süßstoff und Zuckeraustauschstoff)
Zuckerersatzstoffe/ Zucker-AlternativenDiese Überbegriffe für jede Form der Zuckeralternative  umfassen auch Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe.(Siehe Süßstoff und Zuckeraustauschstoff)
Außerdem: Stevia, Fruchtzucker, Traubenzucker, Kokosblütenzucker, Dattelzucker oder -sirup, Agavendicksaft

Süßer Geschmack nach Lust und Laune

Für Diabetiker besonders interessant: Es gibt Süßmacher, bei denen die Glukosespitze ausbleibt. „Für mich sind Früchte und besonders Beeren eine tolle Option, um auf den süßen Geschmack zu kommen. Sie enthalten blutzuckerregulierende Ballaststoffe. Am liebsten mag ich meine Früchte auf griechischen Joghurt getoppt mit etwas Nussbutter. Süßliche Gewürze wie Zimt oder Süßholzwurzel sind ebenfalls vielfältig einsetzbar“, erklärt Inchauspé. Auch diese Zucker-Alternativen verursachen keine ungesunden Blutzuckerspitzen: Allulose, Stevia Extrakt und Erythrit.

Sind Süßstoffe gefährlich?

Immer mal wieder deuten Studien auf Risiken von Aspartam, Saccharin, Acesulfam K und Co. hin. In haushaltüblichen Mengen werden die Süßmacher jedoch als ungefährlich eingestuft. Deshalb warnen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nicht vor dem Verzehr von Süßstoffen. Zusätzlich dazu geben ADI-Werte (englisch: ADI, acceptable daily intake) Sicherheit. Sie definieren die täglich erlaubte Aufnahmemenge. Bei einem 70 Kilogramm schweren Menschen liegt dieser ADI-Wert für Aspartam bei 2,8 Gramm pro Tag. Süßstoffe bieten bei Diabetikern einen Vorteil – sie lassen den Blutzucker nicht oder nur gering ansteigen. Jessie Inchauspé betont, dass Diabetiker die folgenden Süßstoffe bewusst einsetzen sollten. Denn Aspartam, Maltit, Sucralose, Xylit und Acesulfam-K haben laut Studienergebnissen einen leichten Einfluss auf den Blutzucker- und Insulinspiegel.

Genuss mit Maß

Wenn Sie auf Zucker nicht verzichten wollen, essen Sie ihn mit Bedacht. Besonders interessant: Laut Inchauspé gibt es keinen guten oder schlechten Zucker.

Egal ob brauner Zucker, Puderzucker, Kokosblütenzucker, Honig, Melasse oder Ahornsirup. All diese „Zuckersorten“ werden vom Körper identisch verarbeitet und sind deshalb gleich gesund oder ungesund. Auch wenn viele mitunter gehört haben, dass Honig und Agavendicksaft oder gar getrocknete Früchte im Gegensatz zum Industriezucker „natürliche“ Süßungsmittel sind, gibt es in Wahrheit wenig Unterschiede. Denn auch der so verpönte Industriezucker wird aus einer natürlichen Pflanze, nämlich der Zuckerrübe, gewonnen. Von einem bestimmten Zuckerersatz rät die Wissenschaftlerin jedoch ganz klar ab: dem Agavendicksaft. Er enthält besonders viel Fruktose, die laut Studien Übergewicht und somit auch Diabetes begünstigt.

Blutzuckeranstieg mildern

Auch beim Genuss von zuckerhaltigen Lebensmitteln gibt es Tricks, um einen starken Blutzuckeranstieg zu vermeiden. Die Forschung zeigt, dass Pudding, Berliner und Co. viel weniger Auswirkung auf den Blutzuckerspiegel haben, wenn sie am Ende einer Hauptmahlzeit, statt als Snack zwischendurch gegessen werden. Auch die Kombination von Zucker mit Eiweiß, Fett und Ballaststoffreichem (z.B. Gemüse) hält den Glukoseanstieg im Zaum. Ein kleiner Spaziergang nach dem süßen Genuss kann den Blutzuckerspiegel ebenfalls regulieren. Denn jede Bewegung unserer Muskulatur sorgt dafür, dass Zucker aus dem Blut in das Gewebe aufgenommen und dort verbrannt werden kann.

Noch mehr wissenswerte Tipps rund um das Thema Blutzucker gibt es in Jessie Inchauspés Buch „Der Glukose-Trick“ (Heyne Verlag, 13 Euro).