Dänische Forscher entwickeln selbstregulatorisches Insulin

14. Dezember 2020
Dänische Forscher entwickeln selbstregulatorisches Insulin

Eine neue Entwicklung auf dem Gebiet der Diabetes-Behandlung könnte zukünftig gefährliche Unterzuckerungen verhindern: In Dänemark haben Forscher Insulin mit einem Molekül ausgestattet, der die Hormonabgabe reguliert. Der Zuckersensor soll erkennen können, wann und wie viel Insulin gebraucht wird.

Dänische Forscher entwickeln Insulin mit Zuckersensor

Wirkmechanismus von Insulin, Struktur des Moleküls. Bild:iStock

Forscher der Universität Kopenhagen haben zusammen mit dem Pharmaunternehmen Gubra ein Insulinmolekül entwickelt, das selbstregulatorisch wirkt. Das heißt: Insulin wird nur freigesetzt, wenn der Körper es braucht – und dann auch nur in der Menge, die benötigt wird. Ist der Blutzuckerspiegel hoch, wird eine größere Menge des Zuckerabbau-Hormons aktiviert, bei einem niedrigen Spiegel wird entsprechend weniger Insulin abgegeben. Auf diese Weise lassen sich Unterzuckerungen verhindern. Im Gegensatz dazu kann das Insulin, das derzeit in der Diabetes-Behandlung eingesetzt wird, nicht erkennen, ob eine kleine oder große Menge Hormonabgabe nötig ist.

Studienleiter sieht großes Potential in Zuckersensor

Der Studienleiter, Knud J. Jensen, verspricht sich viel von der Entwicklung, wie aus der Pressemitteilung zur Studie hervorgeht: Das Insulinmolekül  sei revolutionär, es habe ein „enormes Potential“, das Leben der Menschen mit Diabetes Typ I erheblich zu verbessern. Denn sie ermögliche nicht nur eine sichere, sondern ebenso eine wesentlich leichtere Behandlung. Die eigenständige Kontrolle des Blutzuckerspiegels, die mehrmals am Tag durchgeführt werden muss, würde wegfallen. Zudem müssten sich Betroffene weniger häufig Insulin spritzen.

Allerdings würden voraussichtlich noch einige Jahre vergehen, bis das selbstregulatorische Insulin zum Einsatz kommen kann. Bisher wurde das Insulinmolekül nur an Ratten getestet. Testungen an Menschen stehen dagegen noch aus.

Unterzuckerungen können tödlich enden

Bei einem Diabetes kommt es häufig zu Unterzuckerungen (Hypoglykämien). Sie resultieren aus einem Insulin-Überschuss im Blut, der entweder Folge einer falschen Dosierung oder einer zu geringen Nahrungsaufnahme ist. Wenn zu viel Insulin freigesetzt wird und der Blutzuckerspiegel auf ein niedriges Niveau absinkt, kann es gefährlich werden.

Eine starke Unterzuckerung kann Benommenheit, Sehstörungen und Krampfanfälle auslösen und in besonders schweren Fällen zum Tod führen. Ein tragischer Todesfall durch Unterzuckerung war es letztlich auch, der den Studienleiter Jensen zur Erforschung einer verbesserten Insulinbehandlung gebracht hat, heißt es in der Pressemitteilung: Er wollte sicherstellen, dass sich „eine solche Tragödie nie wiederholen wird.“

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Quelle:

Better diabetes treatment: New insulin molecule can self-regulate blood sugar, in: www.science.ku.dk (Universität Kopenhagen)