COVID-19: Diese Patienten landen häufiger im Krankenhaus

1. Dezember 2020
COVID-19: Diese Patienten landen häufiger im Krankenhaus

Wie geht es Menschen, die mit COVID-19 im Krankenhaus aufgenommen werden? Wie viele müssen beatmet werden, wie viele überleben? Welche speziellen Risiken haben Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes? Deutsche Forscher widmeten sich diesen Fragen in einer Studie.

Bei der Auswertung handelt es sich um eine Studie des wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und der technischen Universität Berlin.

Das Team um Christian Karagiannidis, Sprecher der DIVI-Sektion „Lunge – Respiratorisches Versagen“ und Leiter des ECMO-Zentrums der Lungenklinik Köln-Merheim wertete Daten von etwa 10.000 Patienten mit bestätigter Covid-19-Diagnose aus, die vom 26. Februar bis zum 19. April 2020 in insgesamt 920 deutschen Krankenhäusern aufgenommen wurden. Die Auswertung erfolgte auf Basis von AOK-Abrechnungsdaten – knapp ein Drittel der Deutschen sind bei der AOK krankenversichert.

Patienten mit Vorerkrankungen müssen häufiger beatmet werden

Ein Ergebnis der Studie: Die Mehrzahl der stationär aufgenommenen Covid-19-Patienten hat eine oder mehrere Vorerkrankungen – und Patienten mit Vorerkrankungen müssen wiederum deutlich häufiger beatmet werden als Patienten ohne Vorerkrankungen. So hatten beispielsweise 39 Prozent der beatmeten Patienten eine Diabetes-Erkrankung, bei den Patienten ohne Beatmung waren es 26 Prozent. Diabetes war nach Bluthochdruck die zweithäufigste Vorerkrankungen bei den stationär aufgenommenen Covid-19-Patienten.

Mehr als jeder zweite Beatmungspatient stirbt

Insgesamt mussten 1.727 (17 Prozent) der 10.021 stationär behandelten Covid-19-Patienten künstlich beatmet werden. Etwas mehr als drei Viertel der beatmeten Patienten erhielt eine invasive Beatmung – dabei wird ein Schlauch in die Luftröhre eingeführt, über den der Patient dann beatmet wird. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 68 Jahren – sowohl in der Gruppe der beatmeten als auch der nicht beatmeten Patienten.

Etwas mehr als die Hälfte der beatmeten Patienten verstarben (53 Prozent). Die höchste Sterblichkeit bei beatmeten Patienten dokumentierten die Wissenschaftler in den Altersgruppen 70 bis 79 Jahre (63 Prozent) und ab 80 Jahre (72 Prozent).

Auch bei den beatmeten Patienten, die während des Klinikaufenthalts wegen eines Nierenversagens dialysepflichtig waren (27 Prozent aller beatmeten Patienten), war die Sterblichkeitsrate mit 73 Prozent hoch. Von den Patienten ohne Beatmung verstarben 16 Prozent.

Männer müssen häufiger beatmet werden

Die Forschenden interessierten sich auch für die Unterschiede bei den Geschlechtern – dabei fiel auf: Zwar mussten etwa doppelt so viele Männer wie Frauen beatmet werden (22 Prozent versus 12 Prozent); unter den beatmeten Patienten gab es aber keine geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Sterblichkeit. Das heißt: Frauen haben zwar ein geringeres Risiko, eine künstliche Beatmung zu benötigen. Müssen sie aber dennoch beatmet werden, ist ihr Sterberisiko ebenso hoch wie das von Männern.

Bessere Behandlung, geringere Sterblichkeit?

Die Studie wurde in der ersten Infektionswelle (Ende Februar bis Mitte April 2020) durchgeführt – inzwischen könnten die Ergebnisse etwas positiver ausfallen, räumte Studienleiter Karagiannidis in einem Interview mit dem Deutschlandfunk ein. Der Grund dafür seien die Lehren, die in der Zwischenzeit aus der Behandlung von Covid-19-Patienten gezogen worden seien – diese könnten die Sterblichkeit bei stationär behandelten Patienten in der „zweiten Welle“ durchaus verringern.

Weiterlesen:


Quelle:

Karagiannidis, C., et al. (2020): Case characteristics, resource use, and outcomes of 10 021 patients with COVID-19 admitted to 920 German hospitals: an observational study. In: The Lancet Respiratory Medicine.

Etwa ein Fünftel der stationär behandelten Covid-19-Patienten ist verstorben, in: aok-bv.de

„Es ist wichtig, dass wir die ältere Bevölkerung schützen“, in: deutschlandfunk.de