Blutdrucksenker – Was Diabetiker (jetzt) wissen sollten

11. April 2019
Blutdrucksenker – Was Diabetiker (jetzt) wissen sollten

Eine neue Studie aus Tokio rückt Betablocker bei Diabetikern in ein schlechtes Licht: Die Forscher fanden in einer Querschnittstudie heraus, dass Betablocker bei Diabetikern mit einem höheren Sterberisiko in Verbindung gebracht werden und doch gehören Betablocker zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten.

Besonders Kardiologen stufen die Wirkstoffe bei Betablockern als kardioprotektiv ein, da sie den Herzmuskel vor den sogenannten „Stresshormonen“ wie Adrenalin und Nordadrenalin schützen. Betablocker senken den Blutdruck, können Herzrhythmusstörungen beheben und werden gerne nach einem Herzinfarkt verschrieben, weil sie die Herzfrequenz senken und das Sterberisiko im ersten Jahr danach um 25% senken.

Der Diabetologe Tsujimoto hatte eine Querschnittuntersuchung zum Gesundheitszustand der Bevölkerung gemacht und dazu Daten des US National Health und Nutrition Examination Survey 1999-2010 ausgewertet. Nach einer Abgleichung der Angaben mit den Sterberegistern, stellt sich heraus, dass Diabetiker mit Betablockern ein höheres Sterberisiko hatten als Diabetiker, die keine Betablocker einnahmen. Die Beweiskraft von Querschnittstudien wird aber im Allgemeinen geringer eingestuft als die von randomisierte Studien. Trotzdem ist eine Neubewertung von Betablockern erforderlich, da es mindestens zwei Gründe gibt, die dafür sprechen gemäß dem Schweizer Kardiologen Messerli:

Die Behandlung des Herzinfarkts habe sich verändert: Als in den 1990er Jahren die Studie zur Nutzung der Betablocker durchgeführt wurde, gab es noch nicht die modere Reperfusionstherapie. Diese ermöglicht mit Hilfe eines Katheters die schnellstmögliche Wiederöffnung der Koronarie (Herzkranzgefäß, welches die Blutversorgung des Herzmuskels regelt) und die Platzierung eines Stents (Gefäßstütze zur Aufdehnung oder Verengung der Herzkranzgefäße) anstrebt. Die Therapie begrenzt die Ausdehnung des Infarktareals und verhindert auch Herzrhythmusstörungen, was die Nutzung der Betablocker herabsenke.

Betablocker stehen bei Diabetikern in einem schlechten Licht
Betablocker stehen bei Diabetikern in einem schlechten Licht

Außerdem gäbe es mittlerweile weitere Medikamente neben dem Betablocker, wie ASS, neue Antikoagulanzien, Lipidsenkner und andere Substanzen, die das Renin-Angiotensin-System blockieren. Die Begleitmedikamente können daher den Nutzen von Betablockern weiter einschränkt haben.

Nebenwirkungen der Betablocker bekommen Diabetiker deutlicher zu spüren als andere Patienten, da es unter der Behandlung häufig zu einer stärkeren Gewichtszunahme kommt. Die Gewichtszunahme und die ungünstige Auswirkung von Betablockern bei Patienten des Typ-2-Diabetes können gemäß des Schweizers Kardiologen Messerli das „kardioprotektive“ Nutzen durch die Blockade der Stresshormone in Fragen stellen. Gemeinsam vertritt er mit dem Diabetologen Tsujimoto die Meinung, dass der Einsatz von Betablocken bei Diabetikern in neuen randomisierten klinischen Studien genauer erforscht werden sollte.