Als Diabetiker im Krankenhaus

22. Februar 2019
Als Diabetiker im Krankenhaus

Ein Krankenhausaufenthalt stellt immer eine Ausnahmesituation dar. Für Menschen mit Diabetes jedoch, ist das Risiko für Komplikationen wie schwere Stoffwechselentgleisungen, Wechselwirkungen mit Medikamenten oder schlechtere Wundheilung gegenüber nicht zuckerkranken Patienten erhöht. Besonders dann, wenn Diabetiker überraschend in die Klinik müssen, zum Beispiel nach einem Unfall, und sie den Aufenthalt nicht vorbereiten können.

Oft, so berichtet die „Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M)“, haben Ärzte und Pflegepersonal in einer Klinik ohne diabetologische Abteilung nicht ausreichende Kenntnis darüber, welche Folgen es haben kann, wenn die Diabetes-Therapie vernachlässigt wird, während der Patient mit Diabetes im Krankenhaus ist. Umso wichtiger ist es, dass Diabetiker, sofern sie die Möglichkeit haben, ihren Klinik-Aufenthalt gut planen.

Als Diabetiker im Krankenhaus: vorher informieren

Wer als Diabetiker geplant ins Krankenhaus geht, sollte eines wählen, das sich für Diabetes-Patienten eignet. Seit 2013 vergibt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ein entsprechendes Zertifikat – „Klinik für Diabetes-Patienten geeignet (DDG)“ – an Einrichtungen, deren Personal für die Nebendiagnose Diabetes qualifiziert ist. Darüber hinaus können Diabetiker sich die Informationsbroschüre „Mit Diabetes im Krankenhaus“ der Deutschen Diabetes-Hilfe herunterladen. Sie gibt Tipps und Hinweise für den Klinikaufenthalt mit Diabetes.

Als Diabetiker im Krankenhaus

Vor dem Klinik-Aufenthalt

Einen geplanten Aufenthalt im Krankenhaus sollten Sie mit Ihrem Hausarzt oder Diabetologen besprechen. Klären Sie mit ihm, auf was Sie achten sollten. Es ist beispielsweise wichtig zu wissen, ob Sie Ihr Insulin oder die Tabletten zur Blutzuckerkontrolle wie gewohnt weiternehmen sollen oder ob die Dosis angepasst werden muss. Letzteres kann notwendig sein, weil Sie sich weniger bewegen als zuhause oder anders essen. Auch, wie die Diabetes-Therapie am Tag einer Operation aussehen soll, müssen Sie mit Ihrem Arzt klären.

Falls Sie als Diabetes-Patient einmal ungeplant ins Krankenhaus müssen, ist es hilfreich, eine gepackte Notfalltasche zuhause zu haben. In der sollte sich neben Schlafbekleidung, Zahnbürste und Waschzeug alles befinden, was Sie in Bezug auf Ihren Diabetes brauchen, also zum Beispiel:

  • Ihren Diabetes-Pass
  • Informationen über Beginn und Verlauf der Erkrankung
  • Aufstellung eventueller Vorerkrankungen
  • eine Liste der Medikamente, die Sie aktuell einnehmen
  • die Kontaktdaten Ihres Diabetologen oder Hausarztes
  • Dinge des täglichen Bedarfs, die Sie nicht immer bei sich haben (z. B. Katheder für die Pumpe)

So stellen Sie sicher, dass Ihre Angehörigen alles Wichtige mitbringen.

Was Diabetiker vor der Operation im Krankenhaus wissen sollten

Vor einem geplanten Eingriff sollte Ihr Blutzucker möglichst im Normalbereich liegen. Zu hohe Werte erhöhen die Infektionsgefahr, da sie die körpereigene Abwehr schwächen. Es ist auch möglich, dass Wunden schlechter heilen und die Blutgerinnung gestört ist, wenn die Blutzuckerwerte nicht im entsprechenden Bereich sind.

Direkt vor einer Operation müssen Sie unter Umständen Ihre Diabetes-Medikamente absetzen. Sprechen Sie auf jeden Fall mit dem behandelnden Arzt im Krankenhaus und dem Pflegepersonal darüber, was Sie aktuell an Medikamenten einnehmen und welche Reihenfolge der notwendigen Untersuchungen sinnvoll ist, sodass Sie nicht unterzuckern. So sollten Sie zum Beispiel vor Untersuchungen, bei denen Sie nüchtern sein müssen, nur rund die Hälfte der üblichen Misch- oder Basisinsulinmenge spritzen.

Achtung: Auch am Tag der Operation sollten Sie das Basisinsulin nicht ganz weglassen!

Als Diabetiker im Krankenhaus

Absetzen müssen Sie vor einem Eingriff das Antidiabetikum Metformin – und zwar 48 Stunden vor der OP. Tabletten wie Sulfonylharnstoffe, Glinide oder Glitazone sollten Sie das letzte Mal am Vorabend der Operation schlucken. Klären Sie außerdem mit dem Arzt im Krankenhaus, ob er Ihnen während oder nach dem Eingriff Medikamente verabreichen wird und, wenn ja, welche. Das ist wichtig, da sie sich auf Ihren Blutzuckerspiegel auswirken oder Wechselwirkungen hervorrufen können. Bitten Sie ihn, in Ihrer Patientenakte zu vermerken, welche Mittel Sie bereits nehmen und dass Ihr Blutzucker überwacht werden muss, wenn Sie bestimmte Medikamente bekommen. Kortison lässt zum Beispiel den Blutzucker steigen.

Generelles für Diabetiker im Krankenhaus

Ebenfalls mit dem behandelnden Arzt in der Klinik sowie mit dem Pflegeteam abstimmen, sollten Sie Ihre Ihre Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten. Sagen Sie rechtzeitig Bescheid, wenn Sie bemerken, dass Sie in die Unterzuckerung rutschen, sodass Sie Glukose oder Ähnliches bekommen.

Und: Passen Sie Ihre Diabetes-Therapie dem veränderten Tagesablauf im Krankenhaus an. Der Bedarf an Insulin steigt zum Beispiel, wenn Sie länger liegen. Schmerzen und Stress können ebenfalls die Blutzuckerwerte steigen lassen. Ist dies alles geklärt und gut vorbereitet, sollten Sie als Diabetiker einen Aufenthalt im Krankenhaus haben, der sich nicht großartig vom dem nicht stoffwechselkranker Patienten unterscheidet.


Quellen:

  • Informationsbroschüre der Deutschen Diabetes-Hilfe: Mit Diabetes mit Krankenhaus: Was Sie bei einem Krankenhausaufenthalt beachten sollten; www.diabetesde.org
  • Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M): Was wissen Ärzte und Schwestern über Diabetes?; www.diabetes-online.de