Aktuelle Diabetes-Forschung: Die neuesten Therapieansätze

30. April 2021
Aktuelle Diabetes-Forschung: Die neuesten Therapieansätze

Forscher arbeiten weltweit an neuen Behandlungsmethoden für Diabetes. Und sogar Ansätze zur Heilung gibt es! Die aktuelle Forschung im Überblick.

Vor genau 100 Jahren gelang dem Chirurgen Frederick Banting etwas, was niemand zuvor geschafft hatte: Aus der Bauchspeicheldrüse eines Schweines isolierte er Insulin und spritze es einem an Diabetes erkrankten Hund – mit Erfolg. 1922 wurde schließlich der erste Mensch mit Insulin behandelt. Damit war der Grundstein für die Behandlung von Diabetes gelegt.

Vor Bantings Experiment bestand die einzige Therapiemethode in einer kohlenhydratarmen Diät, die jedoch nur Menschen mit Diabetes Typ 2 half. Mit der Isolierung von Insulin, das seit den 1980ern gentechnisch hergestellt wird, konnte auch Diabetes Typ 1 behandelt werden. Die Lebenserwartung der Betroffenen stieg, die Zuckerkrankheit verlor ihren Schrecken, denn die Diagnose Diabetes war kein Todesurteil mehr.

Seit der erstmaligen Isolierung von Insulin hat die Diabetes-Forschung große Schritte darin gemacht, neue Behandlungsmethoden zu entwickeln. Die Forscher sind in den letzten Jahren zudem der Heilung von Diabetes ein Stück nähergekommen – die drei aktuellsten Therapieansätze: 


Aufruf Deutsche Diabeteshilfe

100 Jahre Insulin – das muss gefeiert werden! Die Deutsche Diabetes-Hilfe veranstaltet am 24.07.2021 ein großes Event, in dem 100 Geschichten und Fotos von Menschen mit Diabetes ausgestellt werden. Feiern Sie mit und teilen Sie Ihre persönliche Geschichte. Wie Sie teilnehmen können, erfahren Sie hier.


Inselzell-Transplantationen und Bio-Reaktoren

Diese Therapiemethode wird bereits in Einzelfällen bei Menschen mit schwer einstellbarem Diabetes eingesetzt. Dabei werden die Langerhans-Inseln, auf denen sich die Insulin bildenden Betazellen befinden, eines gesunden Organspenders in die Leber des Patienten implantiert. Auf diese Weise kann der Körper wieder Insulin produzieren. Eine im Jahr 2015 durchgeführte Transplantation offenbarte jedoch ein Problem: Die fremden Betazellen können vom Körper abgestoßen werden. Immunsupprimierende Medikamente können die Abwehrreaktion zwar unterbinden, jedoch mit der Folge, dass das Risiko für andere Erkrankungen wie Krebs steigt.

Wie sich dieses Problem lösen ließe, haben Forscher der Technischen Universität Dresden gezeigt. Sie haben einem Diabetes-Patienten Betazellen, geschützt in einer kleinen Dose, transplantiert. Dieser sogenannte „Bio-Reaktor“ sorgt dafür, dass der Körper Insulin erhält, ohne dass das Immunsystem die Zellen angreifen kann. Derzeit wird daran gearbeitet, Betazellen von Schweinen zu gewinnen.

Adipositaschirurgie: Heilung von Diabetes durch Magenverkleinerung?

Von der sogenannten Adipositaschirurgie, bei der ein Magenbypass durchgeführt wird, können sowohl übergewichtige als auch normalgewichtige Menschen mit Diabetes profitieren. Denn durch die Magenverkleinerung verringert sich nicht nur das Gewicht. Auch der Blutzuckerspiegel pendelt sich auf einem normalen Niveau ein, wie mehrere kleine Studien zeigen konnten.

Unklar ist jedoch bislang, ob der Magenbypass zu einer dauerhaften Heilung oder Besserung des Diabetes beitragen kann, vor allem bei Diabetikern des Typ 1. Da zudem die Operation mit einigen Risiken verbunden ist, wird sie bislang nur bei Patienten durchgeführt, bei denen die klassische Therapie wirkungslos geblieben ist.

Antagomir könnte Entstehung von Diabetes Typ 1 verhindern

Diabetes-Forscher beschäftigen sich nicht nur mit der Entwicklung neuer Behandlungsmethoden, sondern auch mit Möglichkeiten zur Heilung der chronischen Erkrankung. Im Zentrum steht dabei die Frage, was die Ursachen für die körpereigene Zerstörung der Betazellen sind. Könnte diese Frage beantwortet werden, ließe sich möglicherweise die Entstehung von Diabetes Typ 1 vermeiden.

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) hat dazu eine wichtige Erkenntnis gewonnen. Sie entdeckten, dass sich im Diabetes-Anfangsstadium im Blut ungewöhnlich viele Insulin-spezifische T-Helferzellen befinden. Diese haben unter anderem die Funktion, die Bildung von Antikörper in den Betazellen voranzutreiben und Abwehrreaktionen auszulösen.

Die Forscher vermuten, dass das Molekül miRNA92a für den Anstieg der T-Helferzellen verantwortlich sein und die Autoimmunreaktion auslösen könnte, die letztlich die Insulin produzierenden Betazellen zerstört. Die Wissenschaftler versuchten daher das Molekül auszuschalten – durch ein anderes Molekül namens Antagomir. Im Rahmen eines Versuchsmodells zeigte das eine Wirkung: Die Autoimmunreaktion fiel geringer aus. Weitere Studien dazu sollen folgen.

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