Abnehmen gegen Diabetes

Enjoy Life
1. Januar 2020
Abnehmen gegen Diabetes

So verbessern Sie Ihren Blutzucker und reduzieren Ihr Gewicht.

Wer einige Kilo zu viel auf die Waage bringt, hat ein deutlich höheres Risiko für die Zuckerkrankheit. Wir erklären, warum das so ist und welche weiteren Risikofaktoren es gibt Die Diagnose Diabetes Typ 2 ist für die Betroffenen erstmal ein Schock. Fragen wie „Muss ich jetzt mein ganzes Leben lang Medikamente nehmen oder gar Insulin spritzen?“ stehen dann im Raum. Die gute Nachricht vorweg: Wir haben es selbst in der Hand, sowohl eine Diabetes-Erkrankung in den Griff zu bekommen als auch unser Risiko für die Zuckerkrankheit zu senken.

Wie entsteht Typ-2-Diabetes?

Das große Problem beim Typ-2-Diabetes ist, dass er lange Zeit keine Symptome verursacht. Deshalb sind regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen beim Arzt (mind. alle zwei Jahre) so wichtig. Denn unerkannt und damit unbehandelt drohen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Amputationen.

Was aber passiert bei dieser Erkrankung im Körper? In der Bauchspeicheldrüse wird das Hormon Insulin produziert. Dieses sorgt dafür, dass der Zucker (Glukose), den wir mit der Nahrung aufnehmen, in die Zellen transportiert wird. Doch durch die Aufnahme von zu viel Kohlenhydraten und aufgrund fehlender Essenspausen muss der Körper ständig Insulin ausschütten. Auch im nüchternen Zustand bleibt der Insulinspiegel erhöht. Wir bekommen eine Hyperinsulinämie und nehmen zu. Kurze Zeit kann der Körper die hohen Insulinwerte kompensieren, dann stumpfen die Zellen ab und wollen keine Glukose mehr aufnehmen. Der basale Insulinspiegel ist bei fortschreitendem Diabetes Typ 2 bis zu 8-fach erhöht. Die Bauchspeicheldrüse ist nicht mehr in der Lage, direkt nach den Mahlzeiten adäquat zu reagieren.

Warum das Bauchfett die Insulin-Resistenz fördert

Eine gewisse genetische Disposition spielt eine Rolle bei der Entstehung von Diabetes Typ 2. Ein viel bedeutenderer Faktor ist aber der Lebensstil. Bewegungsmangel, eine ungesunde, kohlenhydratreiche Ernährung sowie Übergewicht sind die Hauptrisikofaktoren. Ab einem Body Mass Index (BMI) von 25 besteht eine erhöhte Gefahr. Denn je mehr Übergewicht wir haben, desto mehr Fett befindet sich in unserem Organismus. Und dieses Fettgewebe ist aktiv, ganz besonders unser Bauchfett. Von ihm werden bestimmte Hormone ausgeschüttet, die wiederum die Empfindlichkeit der Zellen gegenüber Insulin beeinflussen.

Diabetes in Zahlen

Sechs Millionen Deutsche sind an Diabetes erkrankt, etwa jeder Fünfte weiß jedoch nichts davon. Rund zehn Prozent sind Typ-1-Diabetiker. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die meist im Kindesalter erkannt wird. Typ 2 ist der „erworbene“ Diabetes.

Testen Sie Ihr Diabetes-Risiko.

Martin Herold – So gelingt der Neustart

Der erste Schritt ist der schwierigste. Ärzte empfehlen den Einsatz von Formula-Diäten, um mit einem gesünderen Leben zu beginnen. Denn die Erfolge können sich sehen lassen. Wenn die Zuckerkrankheit erst wenige Jahre besteht, sind die Chancen groß, sie wieder komplett loszuwerden. Dafür ist eine Umstellung des Lebensstils essentiell. Für den Start in ein gesünderes Leben eignet sich eine mehrwöchige Formula-Diät, wie zahlreiche Studien belegen.

So wurden in einer aktuellen Vierländer-Studie übergewichtige Probanden in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe versuchte lediglich mit Anpassungen des Lebensstils abzunehmen, Gruppe zwei erhielt zusätzlich eine Formula-Diät. Die ersten Ergebnisse: Nach vier Wochen hatten sich die Glukose-Werte der Teilnehmer der Formula-Diät-Gruppe signifikant verbessert. Die Hälfte der Menschen mit Prädiabetes in dieser Gruppe konnten ihren Blutzucker bereits nach einem Monat auf Normalwerte senken. Ein deutlich besserer Erfolg als in der „Lebensstil“- Gruppe.

Zudem ist nachgewiesen, dass die besten Langzeiterfolge erzielt werden, wenn Probanden in der ersten Woche alle drei Hauptmahlzeiten durch Eiweiß-Drinks ersetzen, nicht nur zwei. Bereits nach wenigen Tagen sank ihr Insulinbedarf deutlich, zeigt eine Düsseldorfer Studie. Und auch ein Jahr nach der Umstellung wiesen die Probanden stabile Blutzuckerwerte (HbA1C-Wert) auf.

Eine Frau trinkt einen Eiweißshake.
Eweiß-Drinks können dabei helfen, Gewicht zu verlieren.

Wie wirken Formula-Diäten?

Durch ihren hohen Eiweiß-, aber geringen Kohlenhydrat-Anteil macht eine Mahlzeitenportion vier Stunden lang satt. Der Blutzuckerspiegel steigt nur leicht an, der Körper schüttet weniger Insulin aus und steigert die Fettverbrennung. Die Fettdepots schmelzen. Wertvolle Muskelmasse, die auch im Ruhezustand Fett verbrennt, bleibt aber erhalten.

Low Carb

Eine Low-Carb-Ernährung ist der Schlüssel zu einem langfristigen Erfolg. Bereits ab Woche 2 der 12-Wochen-Diät sollten Sie bei den normalen Mahlzeiten auf eiweißreiche, kohlenhydratarme Speisen zurückgreifen. Dabei hilft Ihnen das Tellerprinzip (s.u.)

Essen nach dem Tellerprinzip: Gemüse, Eiweiß, Kohlenhydrate, Gemüse

Etwa die Hälfte des Tellers sollten Sie mit Salat oder Gemüse – am besten roh oder gegart – füllen. „Damit kann man sich schon gut satt essen“, erklärt Dr. Kerstin Kempf. Circa ein Drittel des Tellers sollen eiweißreiche Lebensmittel ausmachen. Dr. Kempf: „Dazu zählen Fisch, Fleisch, Milchprodukte, Eier, Pilze, wertvolles Öl und Nüsse. Dann bleibt noch ein Sechstel über. Da dürfen Sie Kohlenhydrate draufpacken, etwa drei kleine Kartoffeln oder eine Portion Reis oder Nudeln.“ Eine Portion entspricht etwa einer Handinnenfläche. Hochwertige Formula-Produkte enthalten pflanzliche (Soja) und tierische Proteinquellen (Joghurt) sowie enzymreichen Honig.

Der 12-Wochen-Plan bei Typ-2-Diabetes

„Mit den Shakes durchbrechen wir den Teufelskreis von zu hohen Blutzuckerwerten schnell und eindrucksvoll“, erklärt Prof. Dr. Stephan Martin. Er und sein Team haben das 12-wöchige Programm entwickelt:

1. Woche

Ihre Ernährung morgens / mittags/ abends: Forscher empfehlen, in der ersten Woche alle drei Hauptmahlzeiten durch eine Formula-Diät aus der Apotheke (z. B. Almased) zu ersetzen. Der Shake wird in Wasser oder Tee angerührt. Zusätzlich sollten Sie möglichst viel trinken, etwa ungesüßten Tee, Gemüsesäfte oder Mineralwasser. Auf Zwischenmahlzeiten verzichten.

Notieren Sie täglich die wichtigsten Werte, z. B.:

  • Gewicht in kg
  • Schritte pro Tag
  • Blutzucker nüchtern
  • Blutzucker nach Essen, Sport, Stress, etc.

2.- 4. Woche

Ab Tag acht bereiten Sie nur noch morgens und abends einen Shake zu. Mittags gibt es eine gesunde Mahlzeit. Die Mahlzeiten sollten nach dem Low-Carb-Prinzip zubereitet werden. Doch neben der Ernährungs-Umstellung ist noch ein weiterer Faktor wichtig: Sport. Es muss natürlich nicht gleich ein Marathon sein, Sie können und sollten sogar langsam beginnen. Versuchen Sie, so viel wie möglich Bewegung in den Alltag zu integrieren. Das fängt schon damit an, regelmäßig die Treppe statt den Fahrstuhl zu nehmen. Tipp: Eine Extra-Portion Motivation bekommen Sie etwa mit einem Schrittzähler. Setzen Sie sich jeden Morgen neue Ziele, wie viele Schritte Sie erreichen möchten. Oder wie wäre es damit, das Fahrrad statt des Autos zum Supermarkt oder zur Arbeit zu nehmen?

ab 5. Woche

Ab sofort gibt es bis zum Ende des 12-Wochen-Programms auch ein eiweißreiches Frühstück. Abends trinken Sie weiterhin einen Shake. Sie haben sich nicht 100-prozentig an den Plan gehalten? Beim Geburtstag der besten Freundin gab es eine Sahnetorte, der Sie nicht widerstehen konnten? Dann seien Sie nicht zu streng zu sich selbst – und vergessen Sie kleine Ausrutscher einfach schnell wieder. Wenn Sie das nicht können, ersetzen Sie einfach wieder einmal zusätzlich das Frühstück oder das Mittagessen durch einen Shake. Übrigens: Wenn Sie zu zweifeln beginnen bzw. einen Durchhänger haben, denken Sie daran, was Sie bisher schon alles geschafft haben und seien Sie stolz darauf. Das bringt wieder mehr Antrieb – und Sie erreichen Ihr Ziel einfacher.

Die 5 Säulen des Wochenplans

Um das 12-Wochen-Programm erfolgreich abzuschließen und auch danach einen gesünderen Lebensstil weiterzuführen, haben sich diese fünf Säulen bewährt:

  • Selbstmessung: Regelmäßig selbst den Blutzucker kontrollieren. Neben den herkömmlichen Messmethoden stehen heute moderne Geräte zur Verfügung, die ohne ständiges Piksen auskommen.
  • Ernährung: Low-Carb-Ernährung wirkt sich positiv auf Gewicht und Blutzucker aus. Der Start gelingt mit Formula-Diäten.
  • Bewegung: „Die Annahme, Diabetiker dürften keinen Sport treiben, stimmt definitiv nicht“, sagt Prof. Dr. Stephan Martin. Mit kurzen Einheiten beginnen, kontinuierlich steigern.
  • Unterstützung: Für den langfristigen Erfolg haben sich Begleiter bewährt, die gleichzeitig motivieren können. Heute bieten viele Praxen eine telemedizinische Unterstützung an.
  • Motivation: Geben Sie dem inneren Schweinehund keine Chance. Wichtig dafür: Versuchen Sie Ihre Ausreden (Selbstsabotage) zu durchschauen!

Blutzucker messen

Die Selbstkontrolle ist eine extra Motivations-Spritze. Sie versetzt Sie in die Lage, die Wirkung von Lebensmitteln bzw. des Formula-Produkts auf den Blutzucker unmittelbar zu erkennen. So haben Sie schon ab dem ersten Tag Erfolgserlebnisse.

Interview: „Für eine Lebensstil-Intervention ist es nie zu spät“

Dr. Kerstin Kempf forscht über Lebensstil-Änderungen bei Typ-2-Diabetes. Im Rahmen von Seminaren hilft sie ihren Patienten dabei abzunehmen und die Zuckerkrankheit zu bekämpfen. Der modernen Medizin steht eine Reihe von Medikamenten gegen Diabetes zur Verfügung – von Metformin über Sulfonyl-Harnstoffe bis hin zu Insulin-Spritzen. Doch Wissenschaftler sind sich inzwischen einig, dass Typ-2-Diabetes vor allem ursächlich behandelt werden sollte. Tabletten einzunehmen oder Insulin zu spritzen, klingt einfacher, als sein Leben umzustellen.

Warum sollten sich Diabetiker dennoch für Letzteres entscheiden?

Dr. Kempf: Mit einer Lebensstil-Intervention hat der Patient die Behandlung selbst im Griff und kann viel mehr bewirken. Es ist der natürlichere Weg, über eine Ernährungsumstellung mit weniger Kohlenhydraten sowie mit mehr Bewegung Gewicht zu reduzieren und die Blutzuckerwerte zu verbessern. Außerdem haben alle Medikamente Nebenwirkungen.

Patienten, die Insulin spritzen, nehmen unter Umständen während der Therapie noch einmal ordentlich zu. Warum ist das so?

Dr. Kempf: Das Insulin ist dazu gedacht, den Zucker, den man über die Nahrung aufnimmt, in die Zellen zu transportieren. Wenn sich der Betroffene kohlenhydratreich ernährt bzw. viel Zucker aufnimmt und dann entsprechend Insulin spritzt, wird auch viel Energie in Form von Fett in den Zellen eingelagert.

In Ihrem Programm zur Lebensstil-Intervention spielen Formula-Diäten eine Rolle. Warum?

Dr. Kempf: Wir haben auch andere Arten der Ernährungsumstellung ausprobiert – etwa mit sehr viel Gemüse zu Beginn. Doch bei unserer täglichen Arbeit haben wir gemerkt, dass es für sehr viele Menschen einfacher ist, mit Formula-Diäten zu starten. Die Patienten haben einen klar strukturierten Ablaufplan. Es entstehen nicht so viele Fragezeichen bei der Umstellung. Wir legen unseren Patienten ans Herz, eine Formula-Diät zu wählen, die einen relativ niedrigen Kohlenhydrat-Anteil hat und dafür einen hohen Protein-Anteil. Ideal ist das Verhältnis von eins zu zwei.

Was kann eine Umstellung des Lebensstils bewirken, wenn jemand schon zehn Jahre Diabetiker ist?

Dr. Kempf: Für eine Änderung der Gewohnheiten ist es nie zu spät! Der englische Forscher Prof. Roy Taylor hat in seine Studie Patienten eingeschlossen, die im Schnitt vier Jahre lang Diabetes hatten. Mit einer gesünderen Ernährung konnte bei der Hälfte der Patienten eine Diabetes-Remission erzielt werden. In unseren Studien hatten die Patienten im Schnitt seit elf Jahren Diabetes. Mit unserem Programm konnte eine deutliche Verbesserung des Blutzucker- und HbA1c-Wertes erzielt werden. Die Patienten nahmen an Gewicht ab, Blutfett- und Blutdruck- Werte wurden verbessert. Sie konnten die Medikamente – sowohl Tabletten als auch Insulin – reduzieren, zum Teil sogar absetzen.